Omaha – Weltcup-Siegerin Jessica von Bredow-Werndl saß mit ihrem Pokal längst im Flugzeug nach Hause, als die deutschen Springreiter eine erneute Weltcup-Enttäuschung zu verdauen hatten. Die 37 Jahre alte Dressurreiterin aus Tuntenhausen verteidigte im Sattel ihrer Stute Dalera den im Vorjahr in Leipzig gewonnen Titel und feierte mit dem Gewinn des Weltcups den ersten großen Erfolg nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Die Springer dagegen hatten in Omaha gerade einmal Rang acht für den Weltcup-Debütanten Richard Vogel als beste Platzierung vorzuweisen.
Nach dem Sieg der deutschen Dressurreiterin mit ihrer Stute Dalera spritze der Champagner. Von Bredow-Werndl feierte und kommentierte später freudestrahlend: „Wow – ich bin so unglaublich dankbar, dass ich diese spezielle Verbindung zu diesem Pferd erleben und mit ihr tanzen darf.“ Sie gewann die inoffizielle Hallen-WM in der größten Stadt des US-Bundesstaates Nebraska überlegen mit einer Wertung von 90,482 Prozent. Die Siegerin war damit klar besser als die folgenden Reiterinnen Nana Skodborg Merrald aus Dänemark (87,146) und Isabell Werth aus Rheinberg mit Quantaz (85,761), die von Bredow-Werndl nur bei der Schaumwein-Schlacht nass machten.
„Ich weiß, dass das, was ich erleben darf, etwas ganz Besonderes ist“, kommentierte die Weltcup-Gewinnerin. „Dalera will immer alles richtig machen, das ist nicht selbstverständlich“, sagte von Bredow-Werndl, die im Vorjahr im fünften Monat schwanger zum Weltcup-Sieg geritten war und nun nach der Baby-Pause nahtlos an ihre vorherigen Erfolge anschloss.
Im Jahr vor den Olympischen Spielen in Paris gewann von Bredow-Werndl die Kür mit einer Musik, die von französischen Chansons und Liedern mit Bezug zur französischen Hauptstadt geprägt war. Die Zielsetzung der Reiterin, die bei den Spielen in Tokio als erfolgreichste deutsche Athletin Doppel-Gold gewonnen hatte, ist damit klar.
Von solchen Ambitionen sind die Springreiter im Jahr vor den Spielen weit entfernt. Das Fazit des Bundestrainers in Omaha war eindeutig. „Wir hatten uns mehr ausgerechnet“, sagte Otto Becker nach der letzten von drei Prüfungen des Weltcup-Finales der Springreiter. Sein Team sei „zu weit weg von der Spitze. Da können wir nicht zufrieden sein.“
Sieger wurde der 41 Jahre alte Henrik von Eckermann aus Schweden. Der viele Jahre in Deutschland lebende und jetzt in den Niederlanden ansässige Weltmeister gewann mit King Edward vor dem Niederländer Harrie Smolders mit Monaco und der US-Amerikanerin Hunter Holloway mit Pepita.
Nur für den Jüngsten im Team galt Beckers Bilanz: „Er kann zufrieden sein.“ Der 26 Jahre alte Vogel, der zuletzt zwischen Weltcup-Stationen in Europa und einer Turnierserie in Florida gependelt war, hat mit Siegen auf beiden Kontinenten mehrfach auf sich aufmerksam gemacht und in Omaha als bester Deutscher nicht enttäuscht. dpa