München – Der Dienstplan beim EHC München hätte ab heute auch lauten können: Kabine aufräumen, Saisonabschlussgespräche terminieren, das Goodbye von den Fans planen. Doch nein, so kam es nicht, es sind doch noch ein paar Spiele in den Kalender gekommen: Am Mittwochabend hat der EHC das drohende zu frühe Saisonende abgewendet und sich durch einen 7:2 (2:0, 3:2, 2:0)-Sieg im siebten Durchgang des Playoff-Halbfinales gegen die Grizzlys Wolfsburg für die Endspielserie gegen den ERC Ingolstadt qualifizieren können. München war Hauptrunden-Erster, der oberbayerische Rivale Zweiter – folglich startet der EHC mit einem Heimspiel. Es findet schon am Freitag (19.30 Uhr) statt. Ein Derby um die Meisterschaft – wie früher mal zwischen Köln und Düsseldorf.
Die bisherigen sechs Partien der Halbfinalserie hatten erwarten lassen, dass es lange 0:0 stehen und beide Teams darauf bedacht sein würden, Fehler zu vermeiden. Doch dann erlebte Spiel sieben einen ganz anderen Start. Über den der Münchner Justin Schütz sagte: „Tut gut.“ Er bekam nach knapp drei Minuten von seinem ins Line-Up zurückgekehrten Kollegen Maksymilian Szuber den Puck auf den Schläger gelegt, wunderte sich „über den Platz, den ich hatte“ und vollstreckte frei vor dem Tor stehend durch die Beine des bislang famosen Grizzly-Keepers Dustin Strahlmeier. Ein instinktiver Abschluss. „Nachgedacht habe ich nicht.“
Auch das 2:0 (11.) war ein Wunschtor – da mit dem lange fehlenden Scheibenglück verbunden. Verteidiger Daryl Boyle schlenzte den Puck in ein Getümmel vor dem Wolfsburger Tor, wo er von Grizzly-Stürmer Jeffrey mit dem Handschuh abgefälscht wurde. Die Szene schauten sich die Schiedsrichter Frano und MacFarlane im Videostüberl in den Katakomben der Olympia-Eishalle minutenlang, um sicher zu gehen, dass nicht ein zu hoher Münchner Stock oder eine Behinderung des Torhüters im Spiel waren. Alles korrekt, Das Tor war eines..
Vorentscheidung? Es verstieße gegen die Playoff-Etikette, das zu sagen. Der ehemalige Verbandspräsident Franz Reindl meinte in der ersten Drittelpause: „Wolfsburg ist stark genug, um zurückzukehren, München wird hoch konzentriert bleiben.“ Sein Urteil über den EHC stimmte, die Münchner ließen nicht locker. Doch die Grizzlys fanden weiterhin nicht zu ihrem Spiel. Die nächsten Schlüsselmomente: DeSousa erhöhte im Powerplay auf 3:0 (27.), kurz darauf musste Wolfsburgs Vielspieler Jordan Murray (bis zu 34 Minuten pro Partie) mit Matchstrafe für einen Check gegen den Kopf in die Kabine. Die daraus resultierende fünfminütige Überzahl nutzte der EHC durch Parkes zum 4:0 (29.) und Hager zum 5:0 (32.). Drei Powerplay-Tore in einem Drittel – ein Top-Ertrag. Doch Vorsicht: Die Grizzlys regten sich noch einmal, trafen durch Braun (36) und Archibald (38.). „Wir haben sie wieder ins Spiel gelassen“, mahnte Trevor Parkes mehr Konzentration fürs letzte Drittel an.
Wolfsburg spielte nun playoff-like. für Münchens Tormann Mathias Niederberger gab es was zu tun. Ab der 54. Minute probierten es die Niedersachsen mit Zusatzfeldspieler statt Goalie, das ultimative Playoff-Mittel. Was dann aberhalt passieren kann: Der unter Druck gesetzte Gegner befreit sich mit einem Schuss ins leere Netz: Varejcka zum 6:2 (57.). UndEder zum 7:2 (59.). Erst da trauten die Fans sich, in Anspielung auf frühere erfolgreiche Serien ein Banner zu hissen: „Same procedure as every time, Wolfsburg.“