Die DEL gibt es seit 29 Jahren, insofern überrascht es schon, dass erstmals zwei bayerische Clubs das Finale bestreiten. Mehr noch, dass es zu Zeiten des Vorgängers Eishockey-Bundesliga (1958 bis 94) überhaupt nie zu dieser Konstellation kam. Doch wenn man nachdenkt: Das Format Playoffs, das die Zuspitzung eines Endspiels oder einer Finalserie zulässt, wurde in Deutschland erst 1981 eingeführt. Also: EHC München – ERC Ingolstadt, das müsste nun, 2023, der Höhepunkt der bayerischen Eishockey-Geschichte sein. Die Bestätigung der These: Im Süden der Republik ist der Pucksport zu Hause, Kinder kommen mit Schlittschuhen an den Füßen zur Welt.
Doch das Finale zwischen den beiden oberbayerischen Clubs ist eben nicht der Beleg der traditionellen Kraft des Eishockeys im Freistaat, sondern im Gegenteil für seine Orientierung hin zur Beliebigkeit der Standorte. Weder die Metropole München noch das wirtschaftsgeprägte Ingolstadt können mit der tiefen Verwurzelung des Eishockeys im gesellschaftlichen Leben aufwarten. Sie sind nicht Füssen, Riessersee, Landshut oder Bad Tölz, wo für die (männliche) Jugend immer noch die Alternative gilt: Knabenchor oder ECT. Und wer keine gute Stimme hat, greift zum Eishockey-Schläger . . .
München vor allem über die Red-Bull-Akademie und Ingolstadt engagieren sich durchaus in der Nachwuchsförderung, das darf man ihnen nicht absprechen – doch Tatsache ist, dass beide Organisationen allein aus sich heraus auf höchstem sportlichem Niveau nicht lebensfähig wären. Hinter beiden Clubs steht eine Business-Idee, sie sollen – um die zugehörige Sprache zu bemühen – zum Freizeit-Portfolio ihrer Stadt beitragen. Vom ursprünglichen bayerischen Eishockey-Reiz findet sich in dieser Finalpaarung daher wenig.
Die Liga wird die geografische Besonderheit hervorheben; klar, sie muss ihr Produkt als attraktiv verkaufen. Doch so sehr die Endspiele in München und gut 70 Kilometer weiter in Ingolstadt emotionalisieren mögen – für die DEL sind sie wegen der kleinen Hallen (Fassungsvermögen: 5728 und 4816) wenig vorzeigenswert, und Gesamt-Deutschland werden sie eher kaltlassen. Köln–Düsseldorf wäre die einzige würdige Derby-Konstellation, ansonsten stellt man sich für ein Finale mehr Gegensätzlichkeit vor. Nicht nur auf der Landkarte.
Guenter.Klein@ovb.net