München – Am Tegernsee wurde vergangenen Sommer sehr wohl registriert, dass Sportvorstand Hasan Salihamidzic öffentlich massiv für seinen Transfer-Sommer gefeiert wurde – und das auch sichtlich genoss. Zu Recht, wie Uli Hoeneß empfand. Doch der Ehrenpräsident wusste damals wie heute: Ob eine Mannschaft erfolgreich zusammengestellt wurde, zeigt sich erst im März und April, wenn die großen Titel-Entscheidungen anstehen. Hier bleibt der FC Bayern bisher hinter den Erwartungen zurück, und das seit nunmehr drei Jahren in Folge – sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League.
An den Halbfinal-Einzug gegen Manchester City nach der 0:3-Hinspiel-Pleite glaubt kaum noch jemand. Der erhoffte Trainer-Effekt blieb nach dem Wechsel von Julian Nagelsmann zu Thomas Tuchel zumindest in den K.o.-Wettbewerben aus und zu allem Überfluss lieferte sich im Nachgang auch noch Königstransfer Sadio Mané eine Prügelei mit Leroy Sané. Der FC Hollywood lässt diese Saison zum erneuten Mal grüßen und es stellt sich daher die Frage: Haben die Bosse Bayern noch im Griff?
Fakt ist: Von den durchaus namhaften Neuzugängen hat, abgesehen vom Niederländer Matthijs de Ligt, niemand vollends eingeschlagen. Salihamidzic und sein technischer Direktor Marco Neppe genießen bei der Kaderzusammenstellung so gut wie freie Hand. Es fehlt ein Stück weit das kritische Gegenstück. Präsident Herbert Hainer fehlt die Kompetenz. und Oliver Kahn sieht als CEO den sportlichen Teil nur als Teilaspekt seiner Arbeit und schwebt – wie es intern heißt – eher über den Sphären, statt aktiv am Kader-Management mitzuwirken.
Jüngst erinnerte er bei der Tuchel-Vorstellung daran, dass er als Vorstandsvorsitzender ein sehr breites Aufgabenspektrum habe: „Sportpolitische Dinge, die finanzielle Entwicklung des Vereins, ich muss mich um all diese Dinge kümmern. Trotzdem es natürlich der Kernbereich für mich, auch bei der Mannschaft zu sein – und auch mein Ohr nah an der Mannschaft zu haben. Deswegen ist auch die Zusammenarbeit zwischen Hasan und mir so extrem wichtig.“
Unter Karl-Heinz Rummenigge wäre das undenkbar gewesen, wie ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt: Als Salihamidzic im Sommer 2019 die 40-Millionen-Ausstiegsklausel für den damaligen frischgebackenen U 21-Europameister Marc Roca ziehen wollte, legte Rummenigge sein Veto ein: Der Club zahle diese Summe nicht für einen Spieler, den man nicht kenne. Während Salihamidzic mittlerweile bei vielen (unangenehmen) Themen auf sich allein gestellt ist, kapselt sich Kahn phasenweise ab. Ein Beispiel: Das Gespräch mit Torwart-Trainer Toni Tapalovic im Zuge dessen Freistellung lief ohne den Vorstandschef ab. Spieler wie Leroy Sané oder Serge Gnabry, die in den vergangenen Wochen öffentlich massiv kritisiert wurden, hätten sich ebenfalls gewünscht, dass sich die Bosse medienwirksam vor sie stellen. Was ebenfalls für Verwunderung sorgte, war der Post, den Kahn in Manchester eine halbe Stunde vor Anpfiff absetzte: Auf einem Foto war er beim Handschlag in den Katakomben mit City-Trainer Pep Guardiola zu sehen.
Es passt ins Bild: Kahn bleibt in seiner Rolle als CEO nur schwer greifbar. Das spürt auch die Mannschaft.