München – Es gibt Matches, die man als Tennisspieler nicht vergisst. Egal wie viele Aufschläge und Returns dazwischenliegen, wie oft die Seiten gewechselt werden und am Netz mit dem Gegner abgeklatscht wird. Manche Erinnerungen heben sich ab aus dieser Routine-Masse.
„Klar“, sagt Max Rehberg, sei sein Auftritt bei den BMW Open 2022 noch präsent. Mit einer Wildcard ausgestattet stand der gebürtige Münchner damals erstmals im Hauptfeld eines ATP-Turniers. Zwar verlor er gegen den Serben Miomir Kecmanovic, den damaligen Weltranglisten-34., trotzdem erinnert sich Rehberg gern. „Ich habe mein Bestes draus gemacht. So oder so war es ein schönes Erlebnis“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, wenige Tage bevor sein Heimturnier erneut beginnt.
Diesmal hat der 19-Jährige, der an der Tennis Base Oberhaching trainiert, nur eine Wildcard für die am Samstag startende Qualifikation bekommen. Womöglich auch, da die anderen Kandidaten, die eine Wildcard bekamen, mit Österreichs Dominic Thiem und den Deutschen Oscar Otte und Jan-Lennard Struff zu prominent waren. Aber damit beschäftigt sich Rehberg nicht. „Ich bin froh, überhaupt die Möglichkeiten zu bekommen“, sagt er und hängt an: „Außerdem sind die Chancen auf einen Sieg in der Quali höher als im Hauptfeld. Matches in München zu gewinnen ist mein Ziel und es ist auch möglich.“
Selbstbewusstsein, das er sich erarbeitet hat. Vor einem Jahr war er auf der Weltrangliste noch jenseits der 1 000 geführt. Inzwischen hat er sich an über 600 Konkurrenten vorbei auf die 406 geschoben. Unter anderem erreichte er das Finale des ChallengerTurnieres im Herbst in Ismaning. „Ich bin guter Dinge“, meint er zu seiner Form.
Dass das Leben des Tennisspielers nicht nur ein Eilen von Sieg zu Sieg und entspanntes Kraxeln in der Rangliste bedeutet, hat er längst erkannt. „Jeder kämpft in jedem Match um seine Karriere“, beschrieb er den Druck in den unbekannteren Regionen der Tenniswelt schon mal. Und beinahe jeder Spieler schaut danach auf sein Handy, auf dem Hassnachrichten ankommen.
Im März hat Rehberg einen Screenshot mit solchen Nachrichten der übelsten Sorte nach einer Niederlage auf Instagram gezeigt. „Alle Spieler bekommen sie, sobald man Matches spielt, auf die man wetten kann“, erzählt er. Er wolle diese Sachen auch nicht zu hoch hängen, sagt er. Schließlich sei er „dankbar und privilegiert, Tennisspieler sein zu dürfen“. Aber auf das Problem weist er hin und fügt an: „Im Fußball wird das Thema ja gerade gepusht. Aber für einen Tennisspieler, der am Ende des Jahres bei Null rauskommt und nicht mit 20 Millionen Euro, ist es vielleicht noch mal härter.“ Inzwischen schaue er diese Nachrichten nur noch mit einem Grinsen durch, ignorieren könne man sie nicht, sie ploppen auf am Handy.
Es ist eine weitere – wohl die unschönste – Routine eines Tennisspielers. Aber zum Glück gibt es Dinge, die sich da nie dazugesellen: Turniere in der Heimat, die zu bedeutsam sind, sportlich und emotional, um gewöhnlich zu werden. „Aggressiv spielen und nicht hinten einlullen lassen, was auf Sand die Gefahr ist“, nimmt sich Rehberg für die BMW Open 2023 vor. Falls es ihm gelingt, verbindet er mit dem Turnier bald vielleicht nicht nur schöne Erlebnisse, sondern auch Siege. THOMAS JENSEN