Vom Sonnyboy zum Sorgenkind

von Redaktion

Mané nach seiner Attacke gegen Sané beim FC Bayern vorläufig suspendiert

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Bevor das Training des FC Bayern am Donnerstag startete, musste Sadio Mané nach seiner Prügelattacke auf Leroy Sané zum Rapport bei Trainer Thomas Tuchel und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Danach ging es für die beiden Spieler auf den Platz, wo Tuchel erneut das Gespräch mit dem Stürmerstar suchte. Die große Frage: Was geschieht mit dem Senegalesen? Geldstrafe? Suspendierung? Rauswurf?

Im Laufe des Nachmittags teilten die Münchner offiziell mit, dass Mané am morgigen Samstag nicht im Kader für das Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim stehen werde: „Grund ist ein Fehlverhalten Manés nach dem Champions League-Spiel des FC Bayern bei Manchester City. Zusätzlich wird Mané eine Geldstrafe erhalten.“ Eine harte Sanktion, die zeigt: Es reicht!

Glück für Mané, der sich mittlerweile vor dem gesamten Team entschuldigt hat: Sané zeigte Größe und soll sich gegen eine noch härtere Strafe ausgesprochen haben. Mané erlebt derzeit keine einfachen Tage: Am Wochenende war seine Tante verstorben, zu der Mané ein inniges Verhältnis hatte. Ein Grund für den Ausraster – oder war doch nur Sané der Auslöser? Nach Informationen unserer Zeitung soll der DFB-Star zu Mané im Zwist auf Englisch „Lass mich in Ruhe . . .“ gesagt haben. Offenbar zu viel für Mané. Pikant: In England wurde bereits seit Längerem gemunkelt, dass der FC Liverpool ihn auch wegen seiner zwiespältigen Persönlichkeit ziehen ließ.

Er kam als Sonnyboy im Sommer für 32 Millionen Euro nach München und sollte die Lücke schließen, die Robert Lewandowski mit seinem Abgang hinterlassen hatte. Das gelang ihm bisher nicht. Als sogenannter „Statement-Transfer“ angekündigt bleibt Mané nicht nur sportlich, sondern auch menschlich hinter den Erwartungen zurück. Bei einem geschätzten Jahresgehalt von über 20 Millionen Euro ein exorbitant teures Missverständnis. Zumal innerhalb der Mannschaft schon seit längerer Zeit über das Preis-Leistungs-Verhältnis des Angreifers getuschelt wird.

In 20 Spielen gelangen Mané lediglich sechs Treffer und fünf Torvorlagen. Ein unangefochtener Stammspieler war Afrikas Fußballer des Jahres in München noch nie. Daran hat freilich auch seine 105-tägige Ausfallzeit nach einer Operation am Wadenbeinköpfchen einen Anteil, weshalb Mané auch die WM in Katar verpasste. Seitdem wirkt er oft wie ein Fremdkörper im Bayern-Spiel.

Dabei ging der Club einige Kompromisse ein, um den Superstar glücklich zu machen. Unter anderem wurde Mané-Kumpel Desire Segbe für die Bayern-Amateure verpflichtet, obwohl der 29-Jährige aufgrund seines Alters nicht ins Profil der Regionalliga-Mannschaft passte. Und: Als Mané mit den Neuzugängen Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui vorübergehend im Hotel Vierjahreszeiten wohnte, bekam er eine deutlich größere Bleibe, während sich die anderen beiden mit normalen Zimmern zufrieden geben mussten.

Nun liegt es an Tuchel, Mané nach dessen Aussetzer wieder in die Mannschaft zu integrieren. Nach dessen Auftritt in Freiburg am vergangenen Wochenende lobte Tuchel seinen Spieler noch: „Was ihm wahrscheinlich am meisten helfen würde, ist ein Tor, aber er hat große Schritte gemacht im Vergleich zu den letzten Wochen.“ Gegen Hoffenheim wird Mané dies verwehrt.

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