Ein denkbar knappes Ding für den EHC

von Redaktion

München startet mit einem 2:1-Sieg in Finalserie gegen Ingolstadt – Fortsetzung am Sonntag

VON GÜNTER KLEIN

München – Aufs Eis war ein roter Teppich gerollt worden, damit die Bratschistin, die die Nationalhymne intonierte, nicht ausrutschte. Die Spieler beider Teams standen in Reih und Glied, zwischen ihnen die vier Schiedsrichter, und alle hatten sie höflich und andächtig die Helme abgenommen. Mit zeremonieller Getragenheit wurde am Freitag in München die Best-of-Seven-Finalserie um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft eröffnet – und dem Gastgeber der ersten Begegnung war auch am Ende des Abends feierlich zumute: Der EHC München gewann gegen den ERC Ingolstadt 2:1 (1:0,1:0, 0:1).

„Was für eine aufregende Atmosphäre, so muss ein Finale sein“, sagte Trevor Parkes. Der Kanadier vom EHC blickte um sich in einer Halle mit zwei aktiven Kurven, erstmals kommen beide Endspielclubs aus Bayern, ja sogar aus einem Regierungsbezirk, aus Oberbayern. „Bayern, des samma mir“ von Haindling hätte noch besser als Eröffnungsmusik gepasst. Trevor Parkes skatete beflügelt übers Eis, nachdem er nach 93 Sekunden Ingolstadt hatte knacken können. Er hatte gesehen, wie sein Kollege Ryan McKiernan ERC-Verteidiger Fabio Wagner unter Druck setzte, die Scheibe eroberte; Parkes forderte dann den Pass von Flip Varejcka ein, holte derweil schon mächtig aus – und Treffer. 1:0.

„Ziel war es, das Momentum von Spiel sieben des Halbfinales rüberzunehmen ins erste Finale“, erläuterte Münchens Sportchef Christian Winkler. Das Vorhaben gelang. Es spiegelte sich in der Statistik des ersten Drittels: Obwohl die Ingolstädter dreimal Überzahl hatten, gelangen ihnen in 20 Minuten nur vier Torschüsse, zwischen der 2. und der 18. Minute sogar kein einziger. Dennoch war dem ERC seine Strukturiertheit anzumerken – und eine tiefe Überzeugung, schon das Richtige zu tun.

Im zweiten Drittel war der Hauptrunden-Zweite dann wirklich der erwartete ad-äquate Gegner, der das Schussverhältnis nun umkehrte und Münchens Schlussmann Mathias Niederberger hinreichend beschäftigte. Ty Ronning traf die Latte (37.) – doch das Tor wiederum nur der EHC. Justin Schütz flitzte bei einem Konter davon, Nebenmann Frederik Tiffels, Teile der Playoff-Serien draußen gesessen, vollstreckte mit seinem ersten Playoff-Treffer zum 2:0 (28.). „Das Tor tut uns unheimlich gut“, meinte er, „denn Ingolstadt ist brandgefährlich.“.

Wie wahr. Der ERCI erhöhte im dritten Durchgang die Schlagzahl in diesem ohnehin flotten Spiel. Wojcech Stachowiak fuhr mit unterm Helm hervorwehendem Haar um den EHC-Abwehrring herum und verkürzte auf 1:2 (43.). Ingolstadt wirbelte, München verteidigte, das Spiel hatte seinen Charakter verändert. Die letzten zwei Minuten spielte der ERCI ohne Torwart Reich und mit Zusatzstürmer – vergebens.

„Heiß umkämpft. Würde mich wundern, wenn die Serie nach vier oder fünf Spielen rum wäre“, gibt EHC-Manager Winkler zu erkennen, dass man auf eine längere Auseinandersetzung gefasst ist. Weiter geht sie am Sonntag (14.15 Uhr) in Ingolstadt. Bei 75 Kilometern Fahrtstrecke bleiben genügend Körner übrig für Intensität auf dem Eis. Der Teppich für die große Show ist ausgerollt.

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