Star-Auflauf am Aumeister

von Redaktion

BMW Open starten mit Zverev, Thiem & Co. – höhere Kategorie dank neuem Termin?

VON THOMAS JENSEN

München – Beinahe hätten die BMW Open ohne ihren Publikumsliebling auskommen müssen. Drei Tage bevor das Turnier am Montag startet, verriet Oscar Otte, wie es in ihm noch vor Kurzem ausgesehen hatte. In Monte Carlo hatte er in der Qualifikation im dritten Satz nach einer 5:1 Führung im dritten Satz noch verloren. „Danach habe ich in der Kabine Struffi (Jan-Lennard Struff) und seinen Trainer gesehen. Ihm habe ich dann meine Schläger gegeben und gesagt: die kannst du deinem Trainer schenken“, erzählt der Kölner.

Vergangenes Jahr hat sich der 29-Jährige am Aumeister bis ins Halbfinale und die Herzen der Zuschauer gespielt. Die Topform hatte ihn erst im Sommer nach einer Knie-OP verlassen. Vom 36. Rang der Weltrangliste ist er auf den 93. abgestürzt und aktuell auf Formsuche. „Mit der Hilfe des Publikums und der Freunde, die da sind, will ich mir das Selbstvertrauen wieder zurückholen“, nahm sich Otte nun für die Matches auf der Anlage des MTTC Iphitos vor. Er weiß aber auch: „Auf diesem Level schenkt dir der Gegner nichts.“

Ein Satz, der für die BMW Open in diesem Jahr besonders gilt. Selten gab es ein so starkes Teilnehmerfeld in München. „Tolle Namen, tolle Spieler, tolle Typen“, beschrieb es der sichtlich begeisterte Turnierdirektor Patrik Kühnen. Mit Vorjahressieger Holger Rune (19) aus Dänemark und Taylor Fritz (25) aus den USA sind zwei Top-Ten-Spieler dabei, die im Kampf um das Siegerauto, einen BMW i4 M50, allerdings nicht mal die Stars mit den größten Namen sind. Noch mehr Tennis-Glanz bringt das Trio um Olympiasieger und Stammgast Alexander Zverev (25), Matteo Berrettini (Wimbledon-Finalist von 2021) und Dominic Thiem (US-Open-Sieger 2020) mit. Der 29-jährige Österreicher ist dank einer Wildcard dabei und kommt wie der zweifache München-Champion Zverev mit guten Erinnerungen: Einmal stand er hier schon im Finale. Das gilt auch für Jan-Lennard Struff, den dritten der deutschen Spieler, die sicher im Hauptfeld sind. Er stand 2021 schon mal im Endspiel.

Die vergangenen Monate waren zwar nicht die besten des 32-jährigen Warsteiners, der nach seiner starken Woche in Monte Carlo (siehe unten) nun allerdings mit viel Rückenwind an die Isar kommt. Dessen gute Ergebnisse geben auch Otte Mut, der ausführte: „Das ist das Schöne am Tennis, dass es reicht, wenn eine Woche gut läuft und dann sind die Wochen davor vergessen.“

In München starten alle wieder bei null – und an einem neuen Termin. Statt in der letzten April-Woche findet das Turnier 2023 sieben Tage früher statt. Das typische Wetter dieser Zeit sind Veranstalter und Zuschauer ohnehin gewöhnt. Auch die Kategorisierung könnte sich dadurch in naher Zukunft ändern. Bei der ATP läuft aktuell eine Kalender-Umstellung und „diese Woche ist für ein 500er Turnier vorgesehen“, verrät Dr. Fabian Tross, der Geschäftsführer der Iphitos Veranstaltungs GmbH ist und im Vorstand des Vereins sitzt, unserer Zeitung. Die Chance, dass das 250er-Turnier zu einem 500er aufgewertet wird, besteht. Doppelt so viele Weltranglistenpunkte gäbe es dann zu verdienen, die noch mehr Tennis-Prominenz anlocken dürften. Verbunden damit sind allerdings Auflagen der ATP. Deren Zusendung erwarten die Veranstalter bald. Erst dann soll entschieden werden, ob sich München tatsächlich auch auf das Turnier bewirbt, erklärte Tross.

Gewachsen ist die Veranstaltung schon in einer anderen Hinsicht: das Teilnehmerfeld der Allianz Para Trophy, bei der einige der besten Rollstuhltennis-Spieler der Welt teilnehmen, ist größer geworden. Turnierdirektor dieses Wettbewerbs wird Mischa Zverev sein, der auch erstmals als Turnierbotschafter fungieren wird. „Ich habe im Tennis schon viele Rollen übernommen. Natürlich die des Bruders und an der Seite von Sascha (Alexander) bin ich ja auch so ein bisschen Hitting Partner und Manager“, hielt Zverev fest und sagte: „Jetzt freue ich mich darauf, meinen Horizont im Tennis noch mal zu erweitern.“

Gefragt danach, ob er nach der bitteren Niederlage seines jüngeren Bruders (rechts unten) schon Kontakt zu ihm hatte, antwortete er schmunzelnd: „Lieber nicht:“ Und machte gleichzeitig Mut. „Er ist angekommen. Er muss die Tür nur noch öffnen. Er spielt wirklich gutes Tennis. Die Schläge sind da, er bewegt sich gut“, befand Mischa Zverev einen Tag nach dem 6:3, 5:7, 6:7 (7:9) im Achtelfinale von Monte Carlo gegen den Russen Daniil Medwedew.

Münchner Hoffnungen gibt es 2023 auch, sie ruhen auf Max Rehberg. Das 19-Jährige Talent von der Tennis Base Oberhaching muss sich allerdings erst durch die am Samstag startende Qualifikation kämpfen.

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