Jetzt brennt es bei den Bayern

von Redaktion

Blutleerer Auftritt: Tuchel schlägt Alarm – Kahn explodiert auf der Tribüne

VON MANUEL BONKE

München – Beim FC Bayern liegen die Nerven nach dem 1:1 (1:0) gegen die TSG Hoffenheim blank – mal wieder. Statt eine Reaktion auf die 0:3-Niederlage unter der Woche in Manchester zu zeigen, legten die Münchner einen blutleeren Auftritt hin. Emotionen lebte lediglich Vorstandschef Oliver Kahn vor, als Andrej Kramaric in der 71. Minute den Freistoß zum Ausgleich ins Netz setzte und der Titan auf der Ehrentribüne explodierte. Vermutlich musste Kahn seinen Frust über Nacht sacken lassen, erst am Sonntagvormittag tat er seine Analyse via Twitter kund.

„Wieder nur ein Punkt und der nächste Rückschlag für uns! Ergebnisse und Leistungen wie diese können nicht unser Anspruch sein“, schrieb Kahn. Trotzdem sei man weiterhin Tabellenführer und werde diesen Platz mit aller Kraft verteidigen: „Nun gilt es aber, uns zu 100 Prozent auf das Spiel am Mittwoch zu konzentrieren. Wir müssen alles reinhauen, um das scheinbar Unmögliche noch möglich zu machen.“

Ein klarer Arbeitsauftrag vom Boss? Oder nur die Durchhalteparole eines verzweifelten Vorstandsvorsitzenden? Schwer zu beantworten, denn der FC Bayern bleibt im Fußballjahr 2023 weiterhin konstant inkonstant – und somit ein Rätsel. „Gerade in der Bundesliga, wo es sehr eng ist und wir jeden Punkt brauchen, da kann ich mir nicht erklären, dass wir heute so eine Leistung auf den Platz bringen“, sagte Joshua Kimmich und ergänzte: „So eine Leistung wie heute, das geht nicht! In keinem Spiel! Nicht am ersten Spieltag in der Bundesliga und vor allem nicht zu so einem Zeitpunkt. Niemals!“

Selbst Trainer Thomas Tuchel, der nach dem Auftritt seiner Mannschaft gegen Manchester City trotz Pleite noch schockverliebt war, wirkte ratlos. „Ich war mir sicher, dass wir ein anderes Gesicht zeigen würden. Das müssen wir erst mal verarbeiten. Das ist auf jeden Fall ein großer Rückschritt von der Leistung und von der Überzeugung her“, haderte Tuchel.

Die Probleme sind ja schon länger bekannt: Wenig Energie, wenig Tempo, wenig Überzeugung. „Uns fehlt der Sinn dafür, dass es brennt!. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir als Mannschaft einen anderen Spirit zeigen!“, forderte Tuchel. Der neu installierte Fußballlehrer konnte nach der Entlassung von Julian Nagelsmann bisher nicht für den schnell erhofften Erfolg sorgen. „Summa summarum war es eine enttäuschende Leistung. Die müssen wir für uns selbst erst mal einordnen. Der Trainer muss das auch erst einmal schlucken, weil er ganz andere Erwartungen an uns hatte“, meinte Thomas Müller.

Abwehrchef Matthijs de Ligt, der neben Torschütze Benjamin Pavard als Einziger dauerhaft anständige Leistungen zeigt, flüchtete sich im Hinblick auf das Rückspiel im Königsklassen-Viertelfinale gegen ManCity in Galgenhumor. Auf die Frage, was für die anstehende Partie am Mittwoch Hoffnung macht, antwortete er: „Es geht nicht schlechter als heute: ohne Intensität, ohne Energie, viele technische Fehler. Wir haben noch Glück, dass es beim 1:1 geblieben ist.“

Für Thomas Tuchel geht es jetzt darum, Schadensbegrenzung zu betreiben, die Meisterschaft zu holen und schon jetzt die richtigen Schlüsse für die nächste Saison zu ziehen.

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