„Vogelwuid“ ins Geschichtsbuch

von Redaktion

EHC München baut Führung in DEL-Finalserie auf 2:0 aus – Ingolstädter Torwartproblem

VON GÜNTER KLEIN

Ingolstadt – Am Freitag war Don Jackson aufgeregt und bisweilen schreiend an der Bande entlang getigert, am Sonntag versenkte der Trainer des EHC München die Hände in den Hosentaschen, verfolgte gelassen das Geschehen und zeigte schon kurz vor der Hälfte der Spielzeit ein Das-war’s-da-passiert-nichts-mehr-Lächeln. Dem knappen wie glücklichen ersten Sieg (2:1) hat der EHC München in der Finalserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einen außergewöhnlichen zweiten folgen lassen: In Ingolstadt gewann er 7:1 (4:1, 2:0, 1:0). Führung in der Best-of-Seven-Serie somit 2:0.

„Vogelwuid“ nannte Konrad Abeltshauser, der EHC-Verteidiger, in zum Titel-Derby passenden Bairisch das erste Drittel mit einer historischen Anfangsphase, die so gar nicht passen will zu einem Match, in dem beide Team zunächst achtgeben wollen, dass es bei ihnen nicht einschlägt. Doch die Abfolge der Geschehnisse war wie folgt: Nach wenigen Sekunden dicke Münchner Chance für Patrick Hager, im Gegenzug – gespielt waren 35 Sekunden – ein perfekt herauskombiniertes 1:0 für Ingolstadt durch Maury Edwards. Doch 14 Sekunden später: 1:1. Bei 1:30 Minuten: 2:1 für München, gefolgt vom 3:1 (2:21). ERCI-Coach Mark French nahm eine Auszeit – was man sich sonst gerne für die Schlussphase aufspart. Der Ordnungsruf blieb ohne Wirkung, Ingolstadt kassierte noch ein viertes Tor in diesem ersten Drittel.

„Es waren individuelle Fehler“, ging ERCI-Sportdirektor Tim Regan, ehemaliger Spieler und Trainer des SC Riessersee, in die Ursachenforschung. Im Kasten des Heim-Teams hatten zwei handelsübliche Schüsse von Abeltshauser eingeschlagen (1:1 und 1:4), Filip Varejcka fand bei einem Konter ein offenes Toreck vor (1:2), vor dem 1:3 vertändelte Torhüter Kevin Reich die Scheibe. Reich, früherer Münchner Torwart und in Ingolstadt im Halbfinale nach der Verletzung von Michael Garteig zu einer famose Nummer ein aufgestiegen, wechselte in der 14. Minute auf die Bank (ofensichtlich wegen einer Ellbogen-Verletzung), es übernahm Jonas Stettmer (21), der dritte Keeper im ERC-Kader, der diese Saison beim Kooperationsparter Ravensburg in der DEL2 spielte (15 Einsätze) und die Jahre davor bei den Oberligisten Rosenheim und Landsberg.

Ein Torwartwechsel zeitigt oft überraschende Effekte, und Stettmer führte sich mit einem gehaltenen Penalty gegen Chris DeSousa ein (Regan: „Souverän beim ersten Schuss“), doch im Münchner Powerplay (29.) wurde dann auch er bezwungen (durch Ortega), und bei nächsten Überzahlgelegenheit spitzelte Yasin Ehliz ihm den Puck durch die Beine (37.) – 6:1. Ab diesem Moment ging es für Ingolstadt nicht mehr darum, diesen Nachmittag zu retten, sondern „zu uns zu finden fürs nächste Spiel“, wie Stürmer Fredrik Storm erklärte. Das findet schon am Dienstag (19.30 Uhr) statt, und in dieses dritte Match geht der ERC Ingolstadt mit der Hypothek eines 0:2-Rückstands in der Best-of-Seven-Serie.

Sogar im Boxen verlor er. Matt Bodie zettelte eine Rauferei mit Patrick Hager an und ging als Erster zu Boden. Und Ingolstadt kam einfach nicht in die Gänge, das 1:7 durch Justin Schütz (53.) kassierte man mit einem Mann weniger. Einfach „vogelwuid“.

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