Das ganze Team eine Problemzone

von Redaktion

Bayerns Schwäche gibt Tuchel Rätsel auf – das Gesicht der Krise ist Goretzka

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Thomas Tuchel wirkte auch in den Trainingstagen nach der blutleeren Generalprobe seiner Mannschaft vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Manchester City (Mittwoch, 21 Uhr DAZN) ratlos. Mit versteinerter Miene hockte er sich auf einen Ball und beobachtete von dort aus das sonntägliche Spielersatztraining. Auffällig: Der Cheftrainer suchte immer wieder das Gespräch mit Teampsychologe Maximilian Pelka. Tuchel dreht derzeit alle Steine um, um sich den erschreckenden Auftritt gegen die TSG Hoffenheim (1:1) zu erklären.

„Das müssen wir erst mal verarbeiten. Das ist auf jeden Fall ein großer Rückschritt von der Leistung und von der Überzeugung“, sagte Tuchel am Wochenende. Der Mannschaft fehlt derzeit offensichtlich das Selbstverständnis in ihrem Spiel. Automatismen sind quasi nicht vorhanden. Nachwirkungen aus der Zeit unter Julian Nagelsmann, der stets ein variables Team ohne starre Grundordnung formen wollte? Eine Theorie, die an der Säbener Straße umhergeistert.

Dabei hatte Nagelsmann mit den gleichen Problemen wie jetzt Tuchel zu kämpfen: Abgesehen von Benjamin Pavard und Matthijs de Ligt ruft seit der Weltmeisterschaft kein Spieler konstant anständige Leistungen ab. Die größten Problemzonen von Tuchel liegen derzeit im Mittelfeld und im Angriff. Sinnbildlich für den Leistungsabfall des deutschen Rekordmeisters steht derzeit Leon Goretzka. Der Mittelfeldspieler machte seinem Trainer am Wochenende ordentlich zu schaffen. Immer wieder gestikulierte Tuchel wild in Goretzkas Richtung und wies ihn zurecht.

Nach 60 Minuten wurde der einstige Mittelfeldmotor für seinen DFB-Kollegen Jamal Musiala ausgewechselt. Bis dahin lief das Spiel komplett an Goretzka vorbei, er findet auf dem Platz derzeit de facto nicht statt. Das beweist einmal mehr ein Blick in die Statistik: Nach Kingsley Coman (42) hatte Goretzka die wenigsten Ballkontakte (46) aller Feldspieler. Zum Vergleich: Nebenmann Joshua Kimmich kam auf 94 Ballaktionen. Allerdings ist auch der Ehrgeizling momentan nicht in Topform.

Vereinsintern wachsen daher die Zweifel an der Mittelfeld-Kombination der beiden Nationalspieler. Auffällig: Mit Marcel Sabitzer harmonierte Kimmich in der Hinrunde deutlich besser, doch der Österreicher wurde an Manchester United ausgeliehen. Es fehlt neben Kimmich ein weiterer Spieler im Zentrum, der durch seine fußballerische Leichtigkeit das Bayern-Spiel auch in schweren Phasen dirigieren kann. Ab Sommer stößt zwar Konrad Laimer aus Leipzig dazu, laut Sky hat der Österreicher einen Vertrag bis 2027 bereits unterzeichnet. Doch Laimer kommt ebenfalls mehr über die körperliche statt fußballerischer Komponente.

Nach Informationen unserer Zeitung soll Tuchel darüber nachdenken, Joao Cancelo (28) gegen ManCity auf die Position neben Kimmich zu stellen. Und dann muss sich der Trainer überlegen, wie er die aktuelle Sturmflaute beseitigt. Immerhin wurden die letzten drei Treffer von Abwehrspielern erzielt. Was im Hinblick auf das City-Duell Hoffnung macht: Eric Maxim Choupo-Moting absolvierte nach seinen Knieproblemen am Montag wieder das gesamte Mannschaftstraining und legte sogar eine Extraschicht Torabschlüsse hin. Sollte Choupo-Moting im Abschlusstraining erneut voll durchziehen, ist ein Startelf-einsatz nicht ausgeschlossen. Dann hätte Tuchel eine Problemzone weniger.

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