Neapel – Fischer tragen am Golf von Neapel mittlerweile Gesichtsschutz, Kinder gehen gar freiwillig damit in die Schule – und die Heimspiele im Stadio Diego Armando Maradona sind ohnehin längst zum Maskenball geworden. Trendsetter ist Angreifer Victor Osimhen, die fußballverrückten Neapolitaner vergöttern ihren Star.
Seine medizinisch längst obsolet gewordene Gesichtsmaske beschert den Fanshops Rekordzahlen, am Dienstag (21.00 Uhr/DAZN) will er mit seinem ungewöhnlichen Talisman Vereinsgeschichte schreiben. Erstmals könnte die SSC Neapel in ein Halbfinale der Champions League einziehen, das Hinspiel bei AC Mailand ging knapp mit 0:1 verloren. Da hatte Osimhen wegen Adduktorenproblemen gefehlt, nun trägt der beste Torjäger der Serie A die Hoffnungen. „Victor wird von Beginn an auflaufen. Ihn kann man egal wie anspielen, er findet die richtige Lösung. So ist das eben mit Ausnahmespielern“, schwärmte Trainer Luciano Spalletti.
Nach dreiwöchiger Pause feierte Osimhen am Wochenende beim 0:0 gegen Hellas Verona als Joker sein Comeback – und veränderte gleich wieder komplett die Statik im Spiel des italienischen Tabellenführers. Längst hat der einstige Flop des VfL Wolfsburg das Interesse zahlreicher europäischer Topclubs geweckt. Der 24-Jährige überzeugt mit Kopfballstärke, einem schnellen Antritt und einer herausragenden Technik – in 30 Pflichtspielen gelangen ihm 25 Treffer.
Ein Stürmertyp, genau wie ihn auch die kriselnden Bayern suchen. Thomas Tuchel biss sich vorsichtshalber auf die Zunge. „Ich habe eine Meinung dazu“, sagte der FCB-Coach kürzlich, „aber ich halte meine Klappe.“ Neapel verlangt im Sommer wohl eine Ablösesumme im dreistelligen Millionenbereich. „Ich weiß nicht, was die Zukunft hergibt“, sagte Osimhen selbst. Es gelte, gemeinsam mit seinen Beratern und dem Verein „eine gute Lösung“ zu finden. Laut dem „Kicker“ tendiert er eher zu einem Wechsel nach England als zurück in die Bundesliga. „Schon damals war die Premier League sein großes Ziel“, sagte Martin Schmidt dem Magazin. Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 trainierte den VfL Wolfsburg, als Osimhen dort von Januar 2017 bis August 2018 spielte.
Eine Lösung brauchte Osimhen auch im November 2021, nachdem er sich die Augenhöhle und mehrere Wangenknochen gebrochen hatte. Schon nach zwei Monaten kehrte er mit Maske zurück – und zog sie bis heute beim Fußball nicht mehr aus. „Mittlerweile ist alles okay. Aber mit der Maske fühle ich mich sicherer“, erklärte der Nigerianer jüngst bei Sport1.