Die Fußball-Ehe Hertha – Dardai

Er ist der einzig Richtige

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Für die ältere Generation: Sie sind wie Richard Burton und Liz Taylor, die im Film wie im Leben immer wieder zueinanderfanden. Für die Jüngeren ein Vergleich aus der Jetzt-Zeit: Christian und Bettina Wulff haben gerade ein drittes Mal den Bund fürs Leben geschlossen. Die großen Hollywood-Schauspieler konnten ebenso wenig voneinander lassen wie der (Alt-)Bundespräsident und seine First Lady – und nun eben Hertha BSC und Pal Dardai. Eine sehr spezielle Fußballbeziehung: Sie probierte immer wieder was anderes aus (zwischendurch sogar einen verwegenen Sonnyboy aus Kalifornien) – und er wartete geduldig, bis sich ihr Herz wieder ihm zuwandte. Jetzt strahlt er wie bei der ersten Vermählung.

Das ist schon eine besondere Geschichte, die sich in Berlin zuträgt. Am 16. April 2019 teilte man Dardai mit, er sei nicht schnieke genug, die Hertha zum „Big City Club“ zu machen, am 16. April 2023 wurde er für gut genug befunden, den Traditionsclub ein weiteres Mal vor dem Absturz zu bewahren. Sieht man das große Ganze der vergangenen vier Jahre, dann steht diese Zeit für die kostspieligste Stagnation in der Geschichte der Bundesliga. Die vom Unternehmer Lars Windhorst investierte Summe von 375 Millionen hat den Verein keinen Zentimeter nach oben geführt, eher steht er sportlich noch schlechter da als vor der Übernahme, und der Kader lässt auch unter Regie der neuen Besitzer (777 Partners) keinerlei Fantasie zu, dass die Zukunft eine hellere sein könnte. Noch immer hat der brav-unscheinbare Verteidiger Peter Pekarik seinen Job – mit 36 Jahren. Einer, der jede Revolution überlebt hat.

Aber weil Pekarik noch da ist und einige andere aus dem personellen Altbestand, gibt es keine bessere Idee, als dass die Hertha sich für die verbleibenden sechs (oder mit Relegation acht) Spiele der Saison Pal Dardai anvertraut. Gegen ihn lässt sich nämlich gar nichts sagen: Er ist nie richtig gescheitert, hat immer mit Anstand und ohne Rachegelüste übergeben, es gab nie einen Zweifel, dass der Verein ihm, dem langjährigen Spieler, Herzensangelegenheit sei. Darüber hinaus ist Dardai eine wunderbare Type, ein Original inmitten der Matchplan-Trainer und Schein-Akademiker in der Liga.

Für eine Heiratszeremonie ist keine Zeit, beim dritten Mal kann man sich das Bis-dass-der-Tod-euch-scheide-Getue auch sparen. Anzunehmen, dass Dardai eine gute Zigarre im Garten Feierlichkeit genug wäre.

Guenter.Klein@ovb.net

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