Münchner Psychospielchen

von Redaktion

TENNIS Mentales Training? Brauche ich nicht, sagt Zverev – Thiem ist anderer Meinung

VON THOMAS JENSEN

München – In einer Berufsbranche hat sich Alexander Zverev in den ersten Tagen der BMW Open nicht beliebt gemacht: der der Mentaltrainer. „Da glaube ich nicht dran“, sagte er auf die Nachfrage, ob er mit einem Coach für die Psyche zusammenarbeitet. Er habe es zwar in der Vergangenheit mal probiert, erläuttere der 25-jährige Hamburger, „aber ich habe das Gefühl, die machen mehr Probleme, als es gibt.“

Worte, die man so im Weltsport und speziell im Tennis selten hört. Die Liste der Stars, die mit Mentaltrainern arbeiten, ist lang. Da wären etwa die us-amerikanischen Ikonen Tom Brady oder Michael Jordan und im Tennis Novak Djokovic, Andy Murray, Angelique Kerber und Iga Swiatek, die zumindest phasenweise mit Spezialisten an ihrer mentalen Stärke arbeiten – um nur ein paar zu nennen. Bei Swiatek war es eine der meistgenannten Erklärungen für ihre Konstanz, als die Polin 2022 die längste Siegesserie im Tennis des 21. Jahrhunderts aufstellte.

Auch Zverevs Kumpel Dominic Thiem sieht es anders. Der US-Open-Sieger von 2020 sagte in München, dass er seit einigen Monaten auf einen Mentaltrainer setze. „Wir Spieler schauen auf jedes Detail. Im Training, bei der Ernährung und auf das und das und das“, zählte der Österreicher auf. „Das Mentale ist da genauso ein Bereich, in dem man sich verbessern kann und auf den man schauen muss.“ Allerdings ordnete die aktuelle Nummer 101 der Welt auch ein: „Manche kommen damit besser zurecht, manche nicht.“

Etwa vor einem Jahr hatte er sein Comeback nach einer schweren Handgelenksverletzung gegeben, noch hat er den Anschluss an die Elite allerdings nicht wieder gefunden. Zverev hat das nach seiner Verletzungspause 2022 schon geschafft. „Er hat das sicher besser gemeistert als ich“, gab Thiem zu, der einen Trainerwechsel hinter sich hat: Vom Chilenen Nicolas Massu, der ihn seit 2019 betreut hatte zu Benjamin Ebrahimzadeh, mit dem er sich aber noch in einer Testphase befinde. Der Deutsch-Iraner hatte auch Angelique Kerber trainiert. Dass Tennis generell ein Kopfsport sei, sieht Zverev übrigens schon: „Aber es sind Probleme in deinem eigenen Kopf und nicht im Kopf von jemand anderen.“

Dass er nun wieder auf dem Belag spiele, auf dem er sich bei den French Open 2022 so folgenschwer verletzte, störe ihn nicht: „Um mich auf Sand wohl zu fühlen, brauche ich zehn Minuten sagte Zverev. Dieses Jahr waren es wegen der Verletzung eben ein paar Tage.“

Wohlgefühlt hat sich am Montag auch Yannick Hanfmann. Auch wenn der 31-Jährige Karlsruher nach seinem 6:7, 7:6, 6:2-Sieg über den Brasilianer Thiago Monteiro recht müde gewesen sein dürfte. 2:59 Stunden dauerte das Match. Er steht damit als erster Deutscher in der zweiten Runde. Am Dienstag könnten ihm Oscar Otte, Jan-Lennard Struff, Daniel Altmaier sowie Max Rehberg und Marko Topo (siehe unten) folgen.

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