Saison der Rekorde setzt Draisaitl unter Druck

von Redaktion

Playoff-Start gegen Los Angeles: Die Edmonton Oilers träumen von Wiederholung der Erfolge aus den 80er-Jahren

Edmonton/Köln – Bowie stapft dick eingepackt durch den Schnee, lümmelt sich neben Leon Draisaitl auf der Couch, läuft mit einem Ball in Klubfarben durch die heiligen Hallen der Edmonton Oilers. Der Hund des deutschen NHL-Stürmers ist ein Insta-gram-Star – und ein wichtiger Helfer. „Der Kleine ist auf jeden Fall ein beliebter Hund in Edmonton“, berichtet Draisaitl lachend.

Für den Eishockey-Superstar ist Bowie eine willkommene Abwechslung, wenn es wieder auf die Jagd nach dem Stanley Cup geht. „Man lässt alles raus, wenn man in der Halle ist“, sagt der 27-Jährige, „ist mental total bereit. Wenn man dann nach Hause kommt, freut man sich, den Kopf ein wenig weg vom Eishockey zu bekommen, das normale Leben zu leben.“

Für die Fotos und Videos des Cavapoo – eine Mischung aus Zwergpudel und Cavalier King Charles Spaniel – ist Draisaitls Lebensgefährtin Celeste verantwortlich. „Ich habe mit dem Account eigentlich gar nichts am Hut, das macht alles meine Freundin.“ Lieber nutzt Leon die eingesparte Zeit, um den Kontakt mit Frederik Tiffels zu pflegen. Sein Kölner Kumpel spielt mit dem EHC München in Deutschland um die Meisterschaft. Draisaitl: „Ich würde mich für ihn freuen.“

Ablenkung kann Deutschlands bester Eishockeyspieler in den nächsten Wochen gut gebrauchen, denn der Druck ist groß, endlich den Stanley Cup zurück nach Edmonton zu holen. „Die Euphorie ist riesig, gar keine Frage“, hat Draisaitl vor dem Play-off-Start in der Nacht zu Dienstag gegen die Los Angeles Kings festgestellt: „Die Leute in der Stadt haben das Gefühl, dass jetzt unsere Zeit ist.“

Mit der besten Hauptrunde seit den glorreichen Zeiten der Clublegende Wayne Gretzky haben Draisaitl und Co. die Erwartungen hochgeschraubt. Nicht nur der Kölner selbst stellte mit 128 Scorerpunkten eine neue persönliche Bestmarke auf, sein kongenialer Sturmpartner Connor McDavid verbuchte als erster Spieler seit Gretzky 1987 die meisten Tore (64), die meisten Assists (89) und damit die meisten Scorerpunkte (153) in einer Saison.

Ihr Powerplay war das erfolgreichste der NHL-Geschichte. Mit dem 89. Überzahltor im letzten Punktspiel überboten Draisaitl und Co. auch die Vereinsbestmarke, die Gretzky mit seinen Kollegen 1988 aufgestellt hatte. 50 Saisonsiege sind die meisten seit 1987, Torhüter Stuart Skinner überbot mit 29 Erfolgen Edmontons Rookie-Rekord von Grant Fuhr 1982 – alles Bestmarken aus Gretzkys großer Zeit, in die vier der fünf Stanley-Cup-Siege der Oilers fielen.

33 Jahre nach dem letzten Titelgewinn erwarten die Fans in Edmonton endlich wieder den ultimativen Triumph. Nach dem Halbfinal-Aus im Vorjahr gegen den späteren Meister Colorado Avalanche sieht Draisaitl vor allem einen großen Fortschritt: „Wir sind alle ein Jahr älter, diese Erfahrung hilft enorm in den Playoffs. Du weißt, wie es funktioniert, dadurch hast du nicht diese Nervosität, dieser Stress ist ein bisschen weggenommen.“ Und außerdem hilft Bowie.  sid

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