München – Eishockey ist nicht Fußball, es entzieht sich oft der Berechenbarkeit. Und so ist es auch in der Finalserie 2023 um die Deutsche Meisterschaft. In der sind seit Dienstagabend die Karten neu gemischt: Der ERC Ingolstadt, der mit einem 0:2-Rückstand und der Schmach einer 1:7-Heimniederlage im zweiten Spiel ans Oberwiesenfeld gekommen war, setzte in Spiel drei der Siebener-Serie seine eiskalten Konter. Besonders in der Schlussphase, als er aus einem 2:3-Rückstand binnen 42 Sekunden einen 4:3-Sieg machte. Es steht nun nur noch 2:1 für den favorisierten EHC München, und Ingolstadt nimmt das Momentum mit nach Hause, wo es am Freitag (19.30 Uhr, Magentasport) weitergeht.
Beim ERC Ingolstadt war das befürchtete Szenario zur Realität geworden: Kevin Reich, der im Verlauf der Playoffs zum Torhüter Nummer eins aufgestiegen, war nicht spielfähig. Da der kanadische Platzhirsch Michael Garteig weiter im Verletztenstand ist, wurde Jonas Stettmer, der dritte Mann in der Hierarchie und eigentlich eher zum Kooperationspartner Ravensburg in der DEL2 gehörig, zum Keeper, der der besten Offensive der DEL entgegentreten musste. „Geh raus und spiel – ganz einfach“, versuchte sich Torwarttrainer Varian Kirst an einer Aufmunterung für den 21-Jährigen, und der laute Fanblock der Schanzer feierte ihn demonstrativ mit Sprechchören, bevor es losging.
Eine Mannschaft kann aus einer misslichen Situation auch frische Motivation beziehen – und das taten die Gäste. Ihre Abwehrarbeit war viel intensiver als beim 1:7 am Sonntag, das Stürmer Marko Friedrich in der Nachbetrachtung als „Kollektivversagen“ bewertete, das Verteidigen begann mit einem knallharten Forecheck, der die Münchner schwerer aus ihrem Drittel kommen lassen sollte. Die Partie ähnelte den letzten 20 Minuten aus dem knappen ersten Match (2:1 für München).
Und so gestaltete sich die #Mission4Minga, wie der EHC München dieser Tage hashtagt, für ihn im dritten Spiel etwas komplizierter, als von den Fans erwartet. Andi Eder sah sein Team nach 40 Minuten als „die schwächere Mannschaft“. Er fügte aber an: „Nichtsdestotrotz nutzen wir unsere Chancen.“ Der EHC lief zweimal einem Rückstand hinterher, Stachowiak (6.) und Storm (16. – nach zehn Sekunden Überzahl brachten Ingolstadt mit 1:0 und 2:1 in Führung. Die Tore der Münchner nannte Stachowiak „etwas glücklich“, und es stimmte auch: Das 1:1 erzielte Ben Smith im Nachschuss (10.), das 2:2 machte Justin Schütz 29 Sekunden vor der ersten Drittelsirene mit dem Schlittschuh (aber korrekt).
Ingolstadt betrieb einen hohen läuferischen Aufwand, was Energie kostet und halt auch leichter zu Fouls und Strafzeiten führt. Gegen Ende des zweiten Drittels nahmen die „Schanzer Panther“ zwei nacheinander. Und da passierte es: Offiziell waren sie seit zwei Sekunden wieder komplett, aber München noch in Überzahlformation, daraus entstand das 3:2 für den EHC – Kapitän Patrick Hager schoss, ERCI-Verteidiger Bodie fälschte mit dem Handschuh ab (38.). Dch Ingolstadt blieb im Heute-muss-es-klappen-Modus, stürmte weiter und belohnte sich: Stachowiak (55.)m McGinn (56.) – und der dritte Tormann hielt stark.