München – Seit Tagen hielt Problembärin Gaia Südtirol auf Trab, am Dienstag endlich konnte sie eingefangen werden. Doch Vorsicht ist im erweiterten Alpenraum noch immer geboten. Weiter nördlich, in den Kreisen Miesbach und Rosenheim, fanden sich am Wochenende immerhin Tatzenabdrücke eines Braunbären, wie das bayerische Landesamt für Umwelt mitteilte. Und es gibt ein drittes Geschöpf, das derzeit sein Unwesen treibt. Bevorzugt auf Rasenflächen – wobei ein „äh, normal sich verhaltender“ Bär, wie Edmund Stoiber schon 2006 wusste, ja „im Wald lebt, niemals rausgeht“. Das sei der Unterschied zum Problembären. Dieser trägt aktuell den Namen Marcel und war zuletzt gar in Südhessen in freier Wildbahn zu beobachten, wo er inmitten eines Löwenrudels ein Fußballspiel gegen Wehen Wiesbaden mit 0:2 verlor.
Noch vor einem Jahr ballerte sich Marcel Bär, Stürmer des TSV 1860, mit einer herausragenden Rückrunde zur Torjägerkanone der Saison 2021/22 in der 3. Liga. 15 Tore gelangen ihm damals zwischen Dezember und Mai, sieben Torvorlagen kamen noch mal obendrauf. Am Ende standen 21 Tore, die Löwen schätzten sich glücklich, dass Bär den Lockrufen aus der 2. Bundesliga widerstand. „Er wird sich nicht aufhalten lassen“, sagte der damalige Trainer Michael Köllner über seinen „Schlüsselspieler“.
Doch, muss man ein Dreivierteljahr später erwidern. Nach einem Doppelpack in Dresden am ersten Spieltag verletzte sich Bär im DFB-Pokal gegen Dortmund schwer, musste am Mittelfuß operiert werden, fiel mehrere Monate aus. Seitdem sucht er nach Form und Torerfolgen gleichermaßen, magere drei Treffer stehen zu Buche. Auch vom Teamplayer Marcel Bär ist nicht mehr viel übrig: Kein einziger Assist gelang ihm in dieser Spielzeit, die gegenseitige Unzufriedenheit mit den eigenen Teamkameraden wächst.
So zu beobachten am vergangenen Samstag. Mal drosch Bär in aussichtsreicher Position über den Ball, mal suchte er halbherzig den Abschluss per Hacke. Als dann ein Pass von Phillipp Steinhart aber nicht bei ihm, Bär, von drei Wiesbadenern umzingelt, landete, sondern bei Joseph Boyamba, schäumte er. Außer sich, als wüsste er nicht wohin mit seinem Frust, zerrte er sich an der eigenen Hose, fuchtelte mit den Armen, schimpfte mehrmals in Richtung Steinhart.
Nur eine zufällige Beobachtung? In der Mannschaft jedenfalls ist der Frust groß darüber, dass vergleichsweise früh in der Saison nach oben und unten nichts mehr geht. Der Zusammenhalt sinkt, weil Ziele fehlen. 1860 ist im Mittelmaß gefangen. Ob sich Bär auf Dauer dort wähnt? Sein Vertrag läuft aus, die Zeichen beim TSV stehen auf Abschied. Gut möglich, dass der Bär, in Niedersachsen geboren, weiter Richtung Norden zieht. Beziehungsweise dorthin zurück. JACOB ALSCHNER