München – Einen Führerschein hat er nach wie vor nicht, gibt Holger Rune zu. Der Titelverteidiger bei den BMW Open kann sein Siegerauto also immer noch nicht fahren. „Es ist ein bisschen ein Familienauto geworden“, erzählt der 19-jährige Däne: „Jeder fährt es mal.“
Ob sich sonst etwas seit seinem ersten Titel auf der ATP-Tour geändert hat, abgesehen davon, dass er in der Weltrangliste von jenseits der 70 unter die besten zehn (aktuell siebter Rang) geschossen ist? „Nicht viel“, sagt der Youngster: „Ich bin immer noch ich.“ Was aber offensichtlich ist: aus dem dauergrinsenden Buben, der vor einem Jahr so dynamisch und rasant drauf los gequasselt hatte, wie er auf die Tennisbälle eindrischt, ist ein routinierter Profi geworden. Ganz ruhig, in eine Winterjacke gekleidet, berichtet er vom „Selbstvertrauen und den Glauben an das, was möglich ist“, die ihm der Triumph in München gegeben hätten.
Es ist allerdings nicht so, dass Rune nur Phrasen äußert, die im Dauerrauschen des Tenniszirkusses nicht auffallen. Dazu hat der junge Mann zu viel Selbstbewusstsein, mit dem er ehrlich umgeht. „Ich will dieses Jahr einen Grand-Slam gewinnen“, gibt er vor: „Drei Chancen habe ich noch.“ Auch zu den ganz großen Namen äußerte er sich. „Dass ich die Mittel habe sie zu schlagen, habe ich schon gezeigt. Der Unterschied ist, dass sie es so etwas öfter gezeigt haben“, sagte er gefragt nach Novak Djokovic und Co. und hängte noch an: „Aber sie hatten auch mehr Zeit dazu als ich.“ Bei ihm gehe es vor allem darum, sein bestes Tennis noch konstanter zu zeigen, führte er aus.
Dazu gehören auch gute Leistungen bei vermeintlich kleineren Turnieren wie den BMW Open. In seinem ersten Spiel trifft Rune am Donnerstag auf den Deutschen Yannick Hanfmann. Im Kampf um den Titel ist – zumindest auf dem Papier – Taylor Fritz sein größter Konkurrent.
Der an zwei gesetzte US-Amerikaner macht sich allen Anschein nach allerdings weniger Druck. „Es macht Spaß, auf Sand zu spielen. Auch weil man in Amerika darauf keine guten Ergebnisse von mir erwartet“, sagte die Nummer zehn der Welt. In der Jugend habe er wenn überhaupt auf grünen Sand gespielt, der mit roten kaum zu vergleichen sei, führte er aus. Den kenne er erst seit er 16 sei, erzählte der 25-Jährige.
Vorbilder, von denen er sich auf Sand etwas abschaue, habe er nicht, sagte der aktuell stärkste US-Boy im Tennis. „Anstatt Tennis zu schauen trainiere ich lieber und finde heraus, was gut für mich ist.“ Dass er davon schon einiges herausgefunden hat, hat er vergangene Woche gezeigt, als er in Monte Carlo – auf Sand – erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Andrej Rublew ausschied. Am Mittwoch geht es für ihn gegen Marton Fucsovics (Ungarn). tj