München – Knappe fünf Stunden vergingen am Donnerstag zwischen dem Tweet von Jan Age Fjörtoft und dem Dementi von Herbert Hainer. Zeit genug, um sich mögliche Szenarien für eine Nachfolge von Oliver Kahn auszudenken – und durchzuspinnen. Kandidaten gäbe es einige, aussichtsreich sind die wenigsten. Zumal der Job an der Spitze des besten deutschen Fußballvereins einer ist, in dem Herzblut wie Unternehmerverstand gleichermaßen gefordert ist.
Natürlich ging es zunächst um die, die Kahn beerbt hat – also: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Zufall ist es freilich nicht, dass die beiden einstigen Bayern-Macher sich auch gestern in Schweigen übten. Es gab Anfragen, es gab freundliche Absagen. Dass sie die Situation an der Säbener Straße aber genau im Auge haben, ist auch nur logisch. Rummenigge, Mitglied in der Taskforce des DFB, schließt ein Comeback aus, auch die Gerüchte um eine Rückkehr von Uli Hoeneß, der im Aufsichtsrat der Bayern sitzt, sind kaum haltbar. Es müssten andere machen, gerne aber mit Unterstützung aus dem Hintergrund.
Laut „Bild“ soll beim FC Bayern inzwischen intern auch Florian Hoeneß, Sohn von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, als möglicher Kahn-Nachfolger gehandelt werden. Florian Hoeneß (43) ist seit 2001 Geschäftsführer der familieneigenen HoWe Wurstwaren KG in Nürnberg. Zu den Spekulationen wollte sich Uli Hoeneß dem Blatt gegenüber nicht äußern.
Einen CEO zu entlassen, ist kein schneller Prozess. Der Aufsichtsrat muss zusammenkommen und abstimmen, es bedarf einer Sitzung und einer Mehrheit. Vorsitzender des Gremiums ist qua Amt Präsident Herbert Hainer, der gestern auch als Interims-CEO ins Gespräch gebracht wurde. Auch wenn eine Lösung wie diese sich anbieten würde, ist sie nicht zu realisieren. Laut Statuten wäre Hainer in Aufsichtsrat und Vorstand – das geht nicht. Zudem schließt man intern auch aus, dass der 68-Jährige sich diese Aufgabe antun würde. Fehlt ein CEO, rückt der Vize – also aktuell: Jan Christian Dreesen – auf. Verlässt dieser im Juli den Verein, wäre Michael Diederich, erst seit April im Verein, der nächste Kandidat.
All das ist schwer vorstellbar, es ging also schnell um andere Namen und externe Kandidaten. Und es ging vor allem hartnäckig um Philipp Lahm. Der Triple-Kapitän von 2013 war schon mehrfach auf der Kandidaten-Liste, ist aber aktuell im Zuge der EURO 2024 sowie eines Engagements beim VfB Stuttgart gut ausgelastet. Außerdem hat der 39-Jährige ein weiteres großes Problem: Er zählt nicht unbedingt zu Uli Hoeneß’ Lieblingen. Das gilt auch für Oliver Bierhoff, der nach dem Aus beim DFB womöglich zu haben wäre.
Außerdem immer wieder auf der Liste: Ex-DFL-Chef Christian Seifert, der aktuell im Springer-Konzern arbeitet. An ihm würde sich zudem die Gretchen-Frage entscheiden, ob ein CEO des FC Bayern im Jahr 2023 noch eine Fußball-Vergangenheit mehr braucht. hlr, bok