Der Trainer bleibt, der Kapitän geht

von Redaktion

Lex hört auf – „Schade“, sagt Jacobacci, der den 1860-Neuaufbau mitplant

München – Da saß er also, der Trainer mit dem frisch unterschriebenen Vertrag bis 2024. Doch ehe Maurizio Jacobacci über das Positive sprechen durfte, seine endlich besiegelte Zukunft als Löwe, galt es erst einmal, eine betrübliche Nachricht zu verdauen – das seit Freitag unwiderruflich feststehende Karriereende von Stefan Lex (33).

„Er hat es soeben auf unseren hauseigenen Kanälen verkündet“, sagte Pressesprecher Rainer Kmeth zu Beginn der Freitagsrunde. Ein Abschiedstext mit dem Titel „Niemals geht man so ganz“ wurde zeitgleich online gestellt. Darin sagt der Stürmer: „Ich habe es schon vor der Saison angekündigt. Der Verein braucht Klarheit – und die habe ich jetzt geschaffen.“

Jacobaccis Meinung dazu: Natürlich wirkte er mäßig begeistert, dass das Erste, was er als Trainer der Saison 2023/24 kommentieren musste, der Umstand war, dass der Kapitän beim Anpfiff eben dieser Saison nicht mehr an Bord sein wird. „Das ist schade“, sagt der Italiener zum Entschluss des Eittingers: „Lex hätte sicher noch ein Jahr mitmachen können. Das ist aber eine Entscheidung, die nur der Spieler treffen kann und soll. Deswegen habe ich nicht auf ihn eingeredet.“

Das Heimspiel gegen die SpVgg Bayreuth an diesem Samstag ist also das erste von sechs Abschiedsspielen für den scheidenden Kapitän. Jacobacci stellte Lex in Aussicht, fester Bestandteil des Teams zu bleiben. „Ich werde schon versuchen, weiterhin mit der besten Elf zu spielen“, sagte der Trainer. Ziel müsse sein, „die Spiele, die bleiben, zu gewinnen“. Der eine oder andere Reservist werden wohl noch die Chance bekommen, „sich in Szene zu setzen“. Unter dem Strich ist es Jacobacci aber wichtiger, mit Rückenwind in die neue Saison zu starten – anstatt sich mit personellen Experimenten aus der alten Saison zu verabschieden.

Stark reduziertes Budget, Lex womöglich nur der Anfang einer Exoduswelle (weitere elf Verträge laufen aus) – und nur begrenztes Geld für Neuzugänge. Jacobacci machte am Freitag den Eindruck, als wisse er um die Schwere der Aufgabe, die ab Sommer auf ihn zukommt. Entsprechend glücklich, betonte er, müsse das Händchen der Sportlichen Leitung sein, wenn es darum geht, die bestehende Mannschaft umzubauen, nach Möglichkeit ohne Qualitätsverlust. „Es wird sicherlich Veränderungen im Kader geben“, sagte er: „Entscheidend wird sein: Was können wir auf die Beine stellen, um nächste Saison so gut wie möglich abzuschneiden? Wir wissen, wie wichtig die Transfers sind. Man darf keinen Transfer tätigen, der dann nicht die Früchte trägt, die man sich erhofft.“

Trotz dieser Verantwortung ist Jacobacci froh, dass seine Zukunft in München jetzt geklärt ist. „Ich bin glücklich, dass ich weiter bei 1860 arbeiten darf“, sagte er: „Ich werde alles dafür tun, das Vertrauen, das in mich gesteckt wurde, mit Leistung und Taten zurückzuzahlen.“ Schon am Samstag gegen Bayreuth (14 Uhr) – und danach gegen Saarbrücken, Freiburg, Essen, Mannheim und Zwickau. Das seien allesamt „keine 08/15-Gegner“, betonte er. „Ich werde alles in die Wege leiten, dass die Spieler die gleiche Mentalität auf den Platz bringen, wie ich sie tagtäglich bringe.“ Man wolle die Saison keinesfalls austrudeln lassen, „sondern uns wirklich noch einmal von der besten Seite präsentieren“.

Das will auch Lex, der noch auflöste, warum man laut seiner Abschiedsankündigung niemals so ganz gehe. „Ich werde im Herbst in einer anderen Funktion wieder bei den Löwen aufschlagen“, versprach er. Welche Funktion das sein werde, sagte er nicht, es werde aber ein „Beitrag“ zum Wohle der Löwen sein – „auch wenn es nicht aktiv auf dem Platz ist“. ULI KELLNER

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