Münchner Frühlingsgefühle

von Redaktion

Nach 3:0-Sieg in Ingolstadt kann der EHC am Sonntag die Meistertrophäe holen

VON GÜNTER KLEIN

Ingolstadt – Seit Freitag fühlt sich das Wetter nicht mehr nach Winter an – und am Sonntag kann die Eissportsaison in Deutschlands höchster Liga, der DEL, zu Ende gehen. Der EHC München hat sich am Tag, als es Frühling wurde, eine 3:1-Führung in der Best-of-Seven-Finalserie gegen den ERC Ingolstadt erarbeitet. In der Arena seines oberbayerischen Rivalen siegte er 3:0 (0:0, 0:0, 3:0) und kann am Sonntag (Eröffnungsbully 14 Uhr) Meister werden. Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der in Nordrhein-Westfalen beheimateten Liga, hat schon das Wochenende im Süden gebucht, um die Trophäe übergeben zu können. Aber: Ingolstadt ist zu hartnäckig, um es abzuschreiben.

Die erste Position, auf die man bei Ingolstadt schaut, ist die des Torwarts, weil verletzungs- und krankheitsbedingt jede Playoff-Runde ein anderer ran muss: Wie am Dienstag in München war der junge Jonas Stettmer, die eigentliche Nummer drei im Kader, auserwählt, die Münchner Angriffswelle zu stoppen. Grundsätzlich aber leichte Entwarnung, denn: Kevin Reich, der Held der Halbinalserie gegen Mannheim, hat seine Mittelohrentzündung soweit überstanden, dass er am Freitag die Rolle des Back-ups auf der Bank übernehmen konnte. Stettmer (21), vom Ingolstädter Ultra-Block mit zwei Capos und Megafonen angefeuert, zeigte, dass er an seinem ersten vollständigen DEL-Spiel gewachsen war. Er hielt stark.

In der Vorbereitung des vierten Spiels nahm Ingolstadts Trainer Mark French nicht das 4:3 gewonnene dritte Match zum Maßstab, sondern das zweite, das in einem bösen 1:7 für sein Team geendet hatte. „Was da geschah, darf nicht noch einmal passieren“, sagte er und stellte seine Mannschaft darauf ein, bei den ersten Wechseln nicht gleich die ersten drei Tore zu schnappen, sondern erst einmal die Null zu halten. Doch auch Don Jackson auf Münchner Seite hatte die defensive Achtsamkeit erhöht – nicht dass der Gegner wieder zweimal durch die Abwehr skatet wie neulich im Schlussdrittel. Besonders auf einen mussten sie da achten: Wojciech Stachowiak, dem München liegt, wie er mit Toren in der Hauptrunde und den Playoffs bewies. In der 34. Minute ergab sich für ihn die große Chance zum nächsten Treffer, er selbst hatte den Spielzug eingeleitet – doch Mathias Niederberger im EHC-Tor lieferte eine Parade der Kategorie „Big Save“ ab.

Nach zwei Dritteln, in denen es bei aller Intensität nur eine Strafe (Ingolstadts Leon Hüttl) und folglich fast nur Fünf-gegen-fünf-Spiel gegeben hatte, stand es 0:0 – was zu einer weiteren speziellen Geschichte hinführen sollte: Der ERCI charakterisiert sich selbst als „Mannschaft des letzten Drittels“, ist stolz auf Fitness und Nervenstärke. Aber auch beim EHC sitzen sie oft auf den Spinning-Rädern und stemmen Gewichte.

Der EHC ging aktiver in den entscheidenden Abschnitt, und als er einmal ungehindert ins Laufen kam, nutzte Ben Smith das mit dem Tor zum 1:0 (48.).

Ingolstadt spielte volle Pulle und die letzten knapp zwei Minuten ohne Torhüter – doch diesmal versagte die Magie: München versenkte in Person von Verteidiger Ryan McKiernan und Stürmer Maxi Kastner den Puck zweimal im leeren Netz.

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