Von Sydneys Strand in den Münchner Sand

von Redaktion

Zverev-Besieger Christopher O‘Connell

München – 2018 gewann Alexander Zverev seinen zweiten Titel in München. Und Christopher O‘Connell – der ihn am Donnerstag aus dem Turnier geworfen hat – putzte Boote.

Gemeinsam mit seinem Bruder arbeitete er damals im Hafen seiner Geburtsstadt Sydney, als er sich eine Auszeit vom Tennis nahm. Ein Ermüdungsbruch im Rücken und Knieprobleme erzählt er nun, hätten ihn in diese Pause getrieben. „Aber tief drin wusste ich immer, dass ich es schaffen kann“, sagt der 28-Jährige Australier dazu, dass er in der Weltrangliste unter den besten 100 (aktuell 82.) ist. Als er 2019 den Sport wieder aufgenommen hatte, wurde er im ATP-Ranking sogar überhaupt nicht geführt.

Durch den Dreisatzsieg am Freitag über den italienischen Qualifikanten Flavio Cobolli steht er nun zum zweiten Mal in seiner Karriere in einem ATP-Halbfinale. Ob er aktuell sein bestes Tennis spielt? „Ja. Aber ich fühle, dass ich mich noch immer sehr verbessern kann“, ordnet er ein. Dass die Bedingungen in München in dieser Woche für ihn gewöhnungsbedürftig waren, daraus macht er keinen Hehl. „Ich kenne die Hitze besser als die Kälte“, sagt der Überraschungsmann des Turniers.

Der für einen Australier auch überraschendes Tennis spielt. Sandplatz möge er genauso wie Hartplatz, erläutert er und zeigt auf dem Platz, warum: Anstatt mit Gewalt und schnellen Bällen, geht er sanft vor. Er haut seinen Gegnern keine Winner um die Ohren, sondern lässt sie mit Gefühl laufen – selbst den Olympiasieger.

Auch sein aktueller Wohnort ist nicht sehr australisch: Er lebt im kroatischen Split, um der Tour besser hinterherreisen zu können. „Es ist nicht ganz wie daheim“, sagt er und führt aus, dass man dort nicht so gut surfen könne. Aber immerhin liegt die Stadt am Meer, was ihm wichtig ist: „Ich brauche einen Strand in der Nähe.“ Auch dass seine Freundin zu Besuch käme, helfe, sagt O‘Connell weiter.

Seine aktuellen Ziele? Die Top 50 zum Ende des Jahres dürften es schon sein, gibt er vor. „Selbstbewusstsein gibt mir mein Coach“, meint O‘Connell über den ehemaligen australischen Profi Marinko Matosevic, mit dem er zusammenarbeitet. Der hatte vor zehn Jahren noch selbst in München aufgeschlagen – und sich ebenfalls erst im Alter von 27 unter die besten 100 gespielt.

Sein Gegner im Halbfinale am Samstag: Der dänische Titelverteidiger Holger Rune, der Christian Garin mit 6:2 und 6:4 besiegte. Im zweiten Halbfinale trifft Taylor Fritz (USA) nach seinem Sieg über Dominic Thiem auf den Niederländer Botic van de Zandschulp.  tj

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