München – Die Erleichterung brach sich Bahn in einem Wurf. Andi Eder hatte soeben das 2:1 für den EHC München geschossen, in der 52. Minute, beim ersten Überzahlspiel seit Langem, nach einer Serie überstandener Szenen, in denen einer auf der Strafbank gesessen hatte – da flogen aus der Kabine unterm Hallendach, in dem die sportliche Leitung des EHC das fünfte Finale verfolgte, zwei Butterbrezen aufs Eis. Dem Tor zum 2:1 folgte die Ingolstädter Schlussoffensive und noch ein Münchner Treffer durch Filip Varejcka ins leere Netz zum 3:1, und dann war es offiziell: Der EHC München ist wieder Deutscher Eishockey-Meister, zum vierten Mal nach 2016, 17 und 18.
Mit 4:1 ging die Finalserie an München, „aber jedes Spiel war eng“, merkte Sportchef Christian Winkler an, der mutmaßliche Brezn-Schleuderer. Er nahm schließlich unten auf dem Eis, auf das nach der Meisterehrung auch die Fans gelassen wurden, einen tiefen Schluck aus der Bierflasche und philosophierte ein wenig über das harte Geschäft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). „Wir haben fünf Jahre auf diese Meisterschaft gewartet, obwohl wir in dieser Zeit ja Erfolg hatten.“ Doch selbst ein klar definierter erster Platz in der Hauptrunde 2022/23 war keine Garantieurkunde für die Playoffs. „Wir wurden in jeder Serie ans Limit getrieben“, lobte Winkler die äußerst performanten Gegner aus Viertel- (Bremerhaven, 4:2-Serie), Halbfinale (Wolfsburg, 4:3) und schließlich den fünf Endspielen. Winkler verströmte das pure Glück, weil am Freitagabend auch Konzernschwester Red Bull Salzburg Meister geworden war in der ICE Hockey League (gegen Bozen) – auch das fällt in seine Zuständigkeit.
Maxi Kastner wurde von einer Jury aus Magentasport und DEL zum wertvollsten Spieler (MVP) der Finals gewählt, am Sonntag erzielte er das 1:1, nachdem er gerade von der Strafbank aufs Eis zurückgekehrt war, und in Unterzahl war er mit Kapitän Patrick Hager das Arbeitstier schlechthin. Am meisten gefeiert wurde aber Don Jackson, der Trainer, für seinen vierten Titel mit München und seinen neunten in der DEL. Sein letzter? Der Amerikaner ist 66, Toni Söderholm, sein ehemaliger Assistent und Ex-Bundestrainer, wäre frei für die Nachfolge.
Jackson sagte: „Wir werden die nächsten Tage durch den üblichen Prozess gehen, wie jedes Jahr.“ Gibt es eine Tendenz für seine Lebensplanung? Er grinste: „Die Tendenz ist, dass es jetzt nicht das Thema ist.“
„Es liegt an Don, er entscheidet“, sagt Winkler. Für Jackson spreche: „Einen erfolgreicheren Trainer werden wir nicht kriegen.“ Der Geschäftsführer merkte an: „Auch ein älterer Trainer kann springen wie ein junges Reh.“ Das habe man dieser Tage wieder erleben dürfen. „Und was für Worte er findet, wenn die Mannschaft down ist – wow.“ Nach wie vor sei Jackson „der Erste, der zur Arbeit kommt, und der Letzte, der heimgeht. Und nicht, weil’s ihm zuhause nicht gefallen würde. Er ist gerne bei seiner Frau.“
So wird also noch ein paar Tage – wohl bis zur Saisonabschlussfeier kommenden Sonntag – gerätselt werden dürfen, ob es noch eine zehnte Saison mit Don Jackson an Münchens Bande geben wird. DEL-Chef Gernot Tripcke hatte während der Ehrungszeremonie „ein langes Gespräch mit ihm“ und glaubte den Abschied herauszuhören: „Er hat sich für die Zeit in der Liga bedankt.“