Es war klar, so oder so, dass Markus Söder an diesem Wochenende noch einmal zitiert werden würde. Aber die Grüße, die da aus 500 Kilometern Entfernung aus nordwestlicher Richtung in München ankamen, gestalteten sich nicht unbedingt so, wie der bayerische Ministerpräsident sich das vorgestellt hatte. In vier Toren verpackte der BVB das Statement, das ihm Söder und viele andere nicht zugetraut haben. Beim Sieg gegen Frankfurt gab es drei Tore mehr und drei Gegentore weniger als beim 1:3 der Bayern in Mainz, aber vor allem eine Botschaft, die die Verantwortlichen in München endgültig in Alarmbereitschaft versetzt: Dieser BVB ist vielleicht gar nicht – Zitat Söder – „zu doof“, um Meister zu werden.
Oliver Kahn war vor Anpfiff des Topspiels schon klar, was passieren würde. Und allein die Tatsache, dass auch die Bayern selbst den seit Jahren zu inkonstant spielenden Rivalen inzwischen ernst nehmen, spricht Bände. Es wird dem Serienmeister auf dem Weg zum elften Titel nicht mehr helfen, wie gewohnt auf sich zu schauen. Eine ungewohnte Situation, die schmerzt – und in der Stand jetzt vieles (Restprogramm, Momentum, Form) für einen Sturz des Dauer-Dominators spricht. Die Liga, das ist nach dem letzten Jahrzehnt nur logisch, drückt ab sofort den Gejagten die Daumen. Das allerdings hat weniger damit zu tun, die Bayern am Boden sehen zu wollen. Sondern vielmehr mit dem Funken Hoffnung, dem deutschen Fußball wieder Leben einzuhauchen.
Die Verantwortlichen an der Säbener Straße werden sich aus gutem Grund hüten, diesen Gedanken öffentlich zu teilen. Aber auch für sie selbst wäre der Titel nach einer turbulenten Saison wie jener, die in fünf Spieltagen ihr Ende findet, nicht nur förderlich. Gelänge der Konkurrenz der große Wurf nicht mal in einem Jahr, in dem der Branchenprimus auf dem Platz wie daneben eklatante Schwächen zeigt, wäre das für die kommenden Spielzeiten ein fatales Zeichen. Eines übrigens, das auch in der Münchner Kabine ankommen würde – und Titelhunger wie Gier nicht unbedingt zuträglich wäre.
Den Schmerz von 2012 wird in München niemand vergessen. Den Jubel 2013 aber noch viel weniger. Ja, Konkurrenz, die nicht „zu doof“ ist, kann auch ungeahnte Kräfte bündeln. Und sieht man diesen FC Bayern da an seinem aktuellen Tiefpunkt, wäre das bitter nötig.
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