„Seht ihr, Bayern, so wird das gemacht“ – das war ein Gesang der Münchner Eishockey-Fans am Sonntag in ihrer Halle. Beim EHC neigt man traditionell eher den Blauen zu, den Sechzigern, da hat ein fußballerischer Seitenhieb in Richtung Rot schon sein dürfen. Aber das bessere Rezept hat der EHC München natürlich nicht. Während der FC Bayern dieses Jahr vielleicht mal nicht Deutscher Meister wird, hat der Eishockeyclub fünf Jahre warten müssen, bis er sich wieder an die Spitze hat setzen können.
Das spricht für die Sportart, dass es bei ihr noch ein wenig Abwechslung gibt. Ingolstadt, Mannheim, München, München, München, Mannheim, Berlin, Berlin, München – das ist der Champions-Reigen der vergangenen zehn Jahre in der Deutschen Eishockey Liga, 2020 gab es wegen Corona keine Playoffs, der Titel wurde nicht vergeben. Erwähnen muss man auch Wolfsburg, das zwischen 2015 und 21 dreimal im DEL-Finale stand und ein bisschen Nuller-Jahre-levervizekusig wirkt. Die jüngere Geschichte weist die DEL also als eine Liga aus, in der drei große Standorte die Haupttitelanwärter sind, kleinere aber dazwischenfunken können. Doch das ist ein trügerisches Bild.
Ingolstadt war 2014 der letzte Club, der eine ausgewachsene Playoff-Sensation vollbrachte: von neun auf eins, das war der damalige Werdegang. Seitdem wurde in verlässlicher Regelmäßigkeit der Hauptrunden-Beste auch Meister (nur die Corona-Kurzsaison 2020/21 mit ihren Best-of-Three-Finals erlebte einen Favoritensturz, den der Adler Mannheim). Und das Standard-Finale ist Erster gegen Zweiter. Eishockey ist von den finanziellen Unterschieden nicht so krass wie Fußball, entwickelt sich aber immer mehr in diese Richtung, dass die Begüterten sich absetzen – und das wundervolle Format Playoffs kann zwar noch Illusionen schaffen, aber für Umstürze reicht es nicht mehr. Geld, von dem die konzerngestützten Clubs mehr haben als jene mit regionalen und mittelständischen Gesellschaftern, gibt am Ende halt doch den Ausschlag. Bestes Beispiel ist der EHC München 2023, der trotz aller Anfälligkeit durchkam. Deshalb können die Fans der Großen denen der Kleinen entgegensingen: „Nie Deutscher Meister, ihr werdet nie Deutscher Meister.“ Das ist so. Aber wenigstens gibt es oben nicht den einen Riesen, sondern ein paar.
Guenter.Klein@ovb.net