Mönchengladbach – Urs Fischer blieb eisern. Noch ehe die ungeliebte Frage nach der Champions League aufkam, baute der Union-Trainer eine Berliner Mauer um sich herum auf. „Ich glaube, ich habe mich deutlich geäußert“, sagte der Schweizer nach dem Sieg bei Borussia Mönchengladbach und machte auf stur: „Wir werden versuchen, uns zum dritten Mal für das europäische Geschäft zu qualifizieren“. Punkt, nächste Frage bitte.
Dabei ist der Traum von der Königsklasse in Köpenick so nah wie nie. Nach dem abgezockten 1:0 (0:0) in Gladbach liegt Union als Dritter schon vier Punkte vor Rang fünf – bei nur noch fünf verbleibenden Spielen. Längst diskutieren die Fans, ob sie Kaliber wie Real Madrid und Manchester City lieber im großen Olympiastadion oder doch in der kuscheligen Alten Försterei sehen möchten.
Fischers Vorsicht ist indes verständlich. Die Verfolger SC Freiburg und RB Leipzig sind alles andere als Laufkundschaft, und der nächste Gegner Bayer Leverkusen fliegt derzeit auf Wolke sieben. „Diese Liga ist zu stark, du kannst nicht fünf Tage vor Ende ein Fazit ziehen oder träumen“, sagte Kapitän Rani Khedira: „Du musst von Woche zu Woche schauen.“
Für Union wäre die Teilnahme an der Champions League vergleichbar mit einem Meistertitel. Eigentlich würde der durchkommerzialisierte Wettbewerb gar nicht so recht zu dem Kiezklub mit dem Underdog-Image passen. Sportlich verdient hätte es Union indes ohne Zweifel. „Sie sind vorne brutal effektiv und hinten fehlerlos“, sagte Gladbach-Trainer Daniel Farke. Ob Union ein Kandidat für die Champions League sei? „Zu 100 Prozent!“
Die Zahlen geben Farke recht. 16 Saisonsiege sind schon jetzt eingestellter Bundesliga-Rekord für Union. Sieben Siege und 23 Punkte auf fremdem Platz bedeuten sogar einen Vereinsrekord. „Wenn du nach 29 Spieltagen in so einer Position bist, hast du alle Chancen. Ich traue ihnen das auf jeden Fall zu“, so Farke. Unions Spieler vermieden derweil wie Fischer die Worte „Champions“ und „League“ in ihren Antworten so gut es ging. „Ihr könnt das gerne sagen, aber wir sind da weiterhin demütig“, sagte etwa Abwehrspieler Robin Knoche. Von der Leipziger Niederlage habe er erst nach dem Sieg in Gladbach erfahren. Auch im Spielbericht auf der Union-Homepage wurde das ganz große Ziel mit keiner Silbe erwähnt. Aber halt: Wer auf den englischen Text klickte, fand dort tatsächlich den „dream of Champions League qualification“ erwähnt. Hoffentlich hat Urs Fischer das nicht gelesen. sid