Gratis zu Fortuna Düsseldorf

Fußball auf Kosten der Vielfalt

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Der Satz von 2008, gesprochen von Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern, hallt uns noch in den Ohren. Spitzenfußball sei „für sieben Euro in der Südkurve“ eigentlich nicht zu machen. Sieben Euro, Dumpingpreis. In der Welt von Fortuna Düsseldorf wären ab 2023/24, spätestens 24/25, sieben Euro Wucher. Denn dort soll Fußball (nicht immer spitze in der 2. Liga, klar) gratis werden. Kauf- werden zu Freikarten.

Kühner Plan. Basierend auf dem nicht unlogischen Gedanken, dass Sponsoren/Investoren/strategische Partner die Eintrittsgelder quasi übernehmen, dafür aber einen ideellen und vielleicht auch wirtschaftlichen Gegenwert erhalten, wenn’s gut läuft: Sie erfahren Wertschätzung, ihr Verein bekommt Publicity, das Stadion ist voll, das stärkt die Mannschaft, sie steigt auf. Es ist das konsequente und deutlich vergrößerte Weiterdenken einer vereinzelt bereits umgesetzten Idee, wenn eine Firma die Namensrechte an einem Stadion gekauft hat, aber ihm dann doch die traditionelle werbefreie Bezeichnung lässt. Und irgendwie steckt auch die Quersubventionierung, die der FC Bayern praktiziert, drin: In München ermöglichen die Einnahmen aus dem Business-Bereich, dass auch eine einkommensschwächere Schicht sich den Arena-Besuch leisten kann. Fortuna Düsseldorfs Vorhaben weist nun in die Zukunft, wie sie eine Studie für den englischen Fußball Mitte des Jahrhunderts skizziert: Die größten Clubs gehören zu den führenden Unternehmen des Königreichs, unterhalten dann sogar eigene Bildungseinrichtungen – und könnten das Stadionpublikum aus den dank neuer Übertragungstechnologien und -wege immens hohen Medienerlösen bezahlen. Zuschauer wäre dann ein Job der Stimmungs- und Unterhaltungsbranche.

Was Fortuna Düsseldorf vorhat, ist derzeit noch spektakulär und klingt für Fußballfans hochattraktiv. Man sollte aber auch die Interessen anderer Sport-Anbieter im Auge haben. In kleineren Mannschaftssportarten – und das begänne in Düsseldorf mit der Eishockey-Truppe der DEG und geht etwa bis zu den Bundesliga-Wasserballern vom DSC 1898 – trägt, was an Spieltagen in die Kasse fließt, wesentlich zur Finanzierung bei, und gibt es halt nicht die Sponsoren, die alles ausgleichen. Gegenüber einer Fortuna, die ihre Tore öffnet, hätten alle normalen Clubs der Region einen Wettbewerbsnachteil. Für die sportliche Vielfalt ist es also keine so gute Geschichte.

Guenter.Klein@ovb.net

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