Berlin – Am Donnerstag beim Europameister Schweden, am Sonntag gegen den WM-Dritten Spanien: Für Alfred Gislason kommt die doppelte Standortbestimmung gerade recht. Nach den schwachen Darbietungen zuletzt will der Bundestrainer mit seiner Rasselbande, inklusive vier Nationalmannschaftsdebütanten, eine neue Aufbruchstimmung erzeugen.
Und so nahm Gislason seine Handballer ein Stück weit in die Pflicht, bevor er am Mittwoch in den Flieger kletterte. „Natürlich wollen wir anders auftreten und besser spielen als gegen Dänemark“, sagte Gislason. Mit beherzten Auftritten will das DHB-Team die Vorstellungen im März gegen den dänischen Weltmeister (23:30 und 21:28) vergessen machen – und frisches Selbstvertrauen für die Heim-EM 2024 sammeln.
Auch die Verbandsspitze erhöht achteinhalb Monate vor dem Höhepunkt im eigenen Land spürbar die Schlagzahl. DHB-Sportvorstand Axel Kromer formulierte vor dem Trip ins schwedische Kristianstad zwei „Hauptaufgaben“ für die letzten beiden Länderspiele der Saison.
„Zum einen haben wir den Drang und den Willen, auch mal wieder gegen diese Topnationen zu punkten“, sagte Kromer am Mittwoch. Zum anderen wolle man sich in den Duellen gegen Schweden am Donnerstag (18.35 Uhr/sportschau.de) und gegen Spanien am Sonntag (15.35 Uhr/ARD) in Berlin einen Überblick über die jungen Spieler verschaffen. „Die Trainingseindrücke stimmen freudig. Wir machen uns Hoffnung, dass da Impulse kommen.“
Diese Impulse sind nötig. Denn im Verlauf des hochkarätig besetzten EHF Euro Cups, an dem neben Deutschland Schweden, Spanien und Dänemark und damit die vier kampflos für die EM 2024 qualifizierten Teams teilnehmen, gab es für das deutsche Team bislang nichts zu holen. Die Partien gegen Dänemark wurden ebenso verloren wie die Hinspiele gegen Schweden (33:37) und in Spanien (31:32).
Neben den Rückkehrern Till Klimpke (Tor) und Timo Kastening (Rechtsaußen) werden die Augen vor allem auf ein paar junge Spieler gerichtet sein. Hoffnungsvolle Talente wie die Rückraumspieler Renars Uscins (20/TSV Hannover-Burgdorf), Max Beneke (19/1. VfL Potsdam/Füchse Berlin) und Philipp Ahouansou (21/TSV GWD Minden) oder Kreisläufer Justus Fischer (20/TSV Hannover-Burgdorf) haben eine reelle Chance, noch auf den EM-Zug aufzuspringen. Besonders für sie sind die Spiele eine Art EM-Casting.
Gislason bezeichnete die aktuelle Länderspielmaßnahme als Gelegenheit, sich zu zeigen, „ob sie gegen diese starken Gegner bestehen können. Aber wir sind sehr überzeugt von dem Talent.“ Die jungen Spieler würden einen „sehr guten Eindruck“ im Training machen und werden „ganz sicher“ ihre Spielanteile bekommen in den beiden Partien.
Nicht dabei sein wird hingegen Kai Häfner. Der Routinier sagte seine Teilnahme kurzfristig verletzungsbedingt ab. Zuvor hatten schon Rückraumspieler Lukas Stutzke (verletzt) und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (krank) passen müssen. Dennoch sei ein Großteil des zukünftigen Kaders dabei, so Gislason. sid