Hoeneß mischt mit

von Redaktion

Besuch bei Tuchel – Bosse mit neuer Strategie – Hellmann als Kahn-Ersatz?

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Thomas Tuchel war am Mittwoch gerade dabei, seine Übungen auf dem Platz an der Säbener Straße aufzubauen, da schaute plötzlich ein ganz besonderer Trainingsgast vorbei: Uli Hoeneß (71). Der Bayern-Patron unterhielt sich im Beisein von Co-Trainer Anthony Barry mehr als eine Viertelstunde intensiv mit dem neuen FCB-Coach. Dabei gestikulierte der Ehrenpräsident wild, ballte kurz sogar die Faust. Die Mitarbeiter des FC Bayern staunten nicht schlecht, als sie aus ihren Bürofenstern blickten.

Der Auftritt bestärkt den Eindruck, den man beim Rekordmeister in der aktuellen Krise eigentlich vermeiden wollte: Hoeneß mischt wieder aktiv mit!

Es wird dieser Tage in München aber nicht nur genau hingeschaut, sondern auch genau hingehört. Vor allem, was die Kommunikation der Führungsetage um Präsident Herbert Hainer, Geschäftsführer Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic betrifft. Die rote Troika weiß: Jeder ihrer Sätze wird aktuell von der Öffentlichkeit auf die Goldwaage gelegt. Darum hat man sich bereits im Zuge der Entlassung von Julian Nagelsmann und der Verpflichtung von Thomas Tuchel auf eine sogenannte One-Voice-Strategie verständigt.

Was im ersten Moment spektakulär klingt, ist recht simpel erklärt: Öffentlich sagen alle Verantwortlichen das Gleiche, um mit eventuell unbedachten Äußerungen keine neuen Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen. Dieser Beschluss sollte in erster Linie den neuen Trainer bei seiner Kommunikationsarbeit entlasten, anders als es bei Vorgänger Nagelsmann der Fall war. Nachdem mittlerweile aber auch die Vorstände Kahn (mehr) und Salihamidzic (etwas weniger) massiv in der Kritik stehen, kann jedes falsche Wort über den anderen den gesamten Club ins Wanken bringen – und das Minimalziel Meisterschaft in noch weitere Ferne rücken. Die Protagonisten sind dieser Tage dementsprechend hoch nervös.

Zumal die Kritik von mehr oder weniger prominenten Absendern, die einst das Bayern-Trikot trugen, nicht abreißt. „Oliver Kahn hat den Laden auf jeden Fall nicht im Griff“, sagt Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus der Sport Bild und meint: „Er hat andere Interessen, eine Familie, gerne den Kopf frei, er spielt gern Golf. Auf einmal muss er für ein Unternehmen in der Krise die Verantwortung tragen: eine neue Welt für ihn. Vielleicht hat er das unterschätzt.“ Interessant: Nach dem Auftritt von Hoeneß schaute Kahn den Stars bei der Trainingseinheit zu.

Da passt es ins Bild, dass „Sky“ berichtet, die Bayern hätten Kontakt zu Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt aufgenommen haben, um Kahn als CEO zu beerben. Gespräche sollen schon stattgefunden haben. Zweifelsohne ein spektakulärer Name, aber nach Einschätzung unserer Zeitung mehr als unrealistisch: Hellmann bringt keinen Bayern-Stallgeruch, blickt auf keine aktive Profi-Karriere zurück.

Hellmanns Vertrag bei der Eintracht läuft zwar noch bis 2027, doch nach einem Streit in der Führungsebene droht ein Abschied. Bisher stand aber eher ein Wechsel des Juristen zur Deutschen Fußball Liga (DFL) im Raum. Schon in den vergangenen Tagen wurde über eine mögliche Nachfolge von Kahn angesichts der sportlichen Krise in München diskutiert. Unter anderem im Gespräch war auch Ex-DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

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