Kein Gedanke an Rücktritt

von Redaktion

FORMEL 1 Red-Bull-Boss Marko wird 80 – beerbt ihn Vettel?

VON RALF BACH

München – Die wilden Gerüchte um seine Person findet Helmut Marko „ein bisschen voreilig“, so richtig abschütteln kann er sie aber nicht. Sein ehemaliger Lieblingsschüler Sebastian Vettel, so rauscht es durch die Boxengasse, soll den Doktor als Motorsportchef beim Formel-1-Primus Red Bull schon sehr bald beerben. Und deshalb hat Marko im Moment auch ganz andere Sachen im Kopf als eine Party zu seinem 80. Geburtstag am Donnerstag. Der studierte Jurist „feiert“ seinen Jahrestag ganz pragmatisch im Flieger, der ihn zum nächsten Formel-1-Rennen nach Baku bringt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung räumt er mit den Gerüchten auf, die ihn betreffend im Umlauf sind. Der Schweizer „Blick“ hatte spekuliert, dass der neue Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff bei einem Treffen am Mittwoch ihn gerne durch Ex-Pilot Vettel ersetzen wolle. Marko muss schmunzeln. „Das Treffen am Salzburger Flughafen war schon lange geplant. Bestimmte Dinge standen da nicht auf der Tagesordnung, sondern es war ein normaler Ideenaustausch. Oliver Mintzlaff wird nicht in Baku vor Ort sein, sondern zum nächsten Rennen nach Miami fliegen. Auch dort wird man sich dann wieder treffen.“

Helmut Marko holte den jungen Sebastian Vettel 2007 zum Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso (heute AlphaTauri), er setzte ihn 2009 in den Red Bull und feierte mit dem Deutschen vier WM-Titel in Folge. Denselben Weg ging Marko mit Max Verstappen: 2015 Toro Rosso, 2016 Red Bull, Weltmeister 2021 und 2022 und auch in diesem Jahr kaum zu schlagen.

Was die Spekulation um seine Person betrifft, sagt Marko: „Ich denke nicht an Rücktritt und mir ist auch nicht bekannt, dass das andere wollen. Mir macht die Arbeit immer noch Spaß, gerade weil es ein besonderer Zustand ist, mit einem begnadeten Fahrer wie Max Verstappen zusammenarbeiten zu können.“

Und Vettel? „Ich denke, Sebastian ist gerade in einer Findungsphase, in der er selbst entscheiden muss, wo sein Weg hinführen wird. Sollte er irgendwann Interesse haben, in den Motorsport zurückzukehren, muss er sich erst zwei Fragen beantworten. Will ich für viel weniger Gehalt viel mehr arbeiten? Und: Passt ein Job in der Formel 1 noch zu meiner Lebenseinstellung?“

Für Marko zählt im Moment nur die nahe Zukunft: „Mercedes wird stärker werden, Ferrari vielleicht irgendwann einmal ihre Möglichkeiten ausschöpfen und Aston Martin mit Fernando Alonso ist jetzt schon ein Gegner auf Augenhöhe. Unser Ziel ist es deshalb, auch nach der vierwöchigen Pause in Baku stärkstes Team zu sein.“

Allein: Welches Geschenk erwartet er von seinem Team? „Ein Doppelsieg wäre das Richtige,“ schmunzelt der Wegbegleiter von Jochen Rindt und Niki Lauda. Nur um nach kurzer Überlegung hinzuzufügen: „Obwohl: Mein Ziel ist es, so viele Doppelsiege wie möglich einzufahren. Nicht nur am runden Geburtstagswochenende.“

Markos eigene Fahrerkarriere dauerte nicht lange, sie endete am 2. Juli 1972. Mit einem Ferrari-Vorvertrag für 1973 in der Tasche, startete Marko für das BRM-Team beim Großen Preis von Frankreich in Clermont-Ferrand, es war sein neuntes Formel-1-Rennen. Und sein letztes: Ein aufgewirbelter Stein durchschlug das Visier seines Helmes, das linke Auge war nicht mehr zu retten.

Marko haderte nur kurz mit dem Schicksal, dann stieg er in die Hotelbranche ein. Mittlerweile führt er vier namhafte Häuser in Österreich, dennoch blieb der Motorsport seine erste Liebe. 2005 kam er zu Red Bull, der Rest ist Geschichte.

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