München – Es schwingt schon auch ein bisschen Wehmut mit, wenn Freddie Gillespie auf die anlaufenden Playoffs in der Euroleague blickt. Okay, die Erstlingssaison des Centers des FC Bayern fiel mit elf Siegen und Platz 15 mäßig erfolgreich aus. Doch Gillespie sagt: „Die Euroleague macht Spaß.“
So gesehen ist es ja gut, dass der Mann aus St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota das Gefühl auch richtig auskosten durfte. Er war der einzige Bayern-Profi, der alle 34 Münchner Saisonauftritte in Europa mitmachte. National ist es (fast) das gleiche. In bislang 33 Bayern-Spielen in BBL und Pokal fehlte der US-Boy gerade einmal ein einziges Mal – das hauchdünne 80:79 in Bayreuth ließ er wegen einer Knöchelblessur auf Drängen des Betreuerstabs aus.
Auch so ist Gillespie damit so etwas wie das Gegenmodell zur oft geäußerten Systemkritik seiner Chefs. „Bei einem Spielplan wie diesem kannst du eine Saison nicht ohne Verletzungen überstehen“, sagte Trainer Andrea Trinchieri einmal.
Dabei haben die Bayern umfangreiche Vorsorge für das Wohl der Spieler getroffen. Athletik-Coach Ivan Pijanec nebst Assistentin Ivana Jagla, die Ärzte und mindestens zwei Physiotherapeuten haben den körperlichen Zustand der Spieler und mögliche Alarmsignale jederzeit im Blick. Ein System „auf absolutem Toplevel“, sagt Pijanec, der das Haupt-Bindeglied zum Chefcoach ist, wenn es um drohende Verletzungen geht. Überlastungs-Blessuren hat man so tatsächlich minimiert. Dass Ausfälle trotzdem fast an der Tagesordnung sind, hat eine unschöne Botschaft: Es könnte noch schlimmer sein.
Außer bei: Freddie Gillespie. „Bei ihm kommen viele Dinge zusammen“, sagt Ivan Pijanec. Das mit 25 noch vergleichsweise junge Alter. Ein besonderer Körper, für den der Raubbau in der Euroleague noch Neuland ist. Ein Körper, den Gillespie aber auch umsichtig pflegt. Erste Säule ist dabei die Ernährung. Gillespie folgt den Plänen, die man ihm schon in der Collegezeit ans Herz gelegt hat. Dazu gehört auch das Kalorienzählen. Wobei es bei einem großen, bulligen Athleten wie ihm – viele werden ihn beneiden – nicht um das Zuviel sondern um das Genug geht. Die Geheimwaffe: „Erdnussbutter“.
Und dann ist da das Thema Schlaf. „Acht bis zehn Stunden wären für Profisportler wichtig“, sagt Pijanec. Und sind doch schwer zu stemmen, wenn man abends in Tel Aviv spielt und dann frühmorgens zum Flughafen aufbricht. Gillespie selbst weitet die Grenzen dennoch aus: „Zehn bis elf Stunden jeden Tag sind Pflicht.“ In der Mannschaft wird schon über seine Fähigkeit gewitzelt, in allen erdenklichen Lebenslagen zu schlafen. Auch der Athletikcoach schmunzelt: „Fünf Minuten, nachdem er in den Bus eingestiegen ist, ist er weg.“ Eine Gabe, die von Vorteil sein kann in einem Team, das in einer Saison weit mehr als 20 000 km durch Europa reist.
„Mit diesen Reisen und der Anzahl der Spiele brauchst du eigentlich größere Kader“, sagt Pijanec, „in Spanien haben die Teams teilweise 20 Profis.“ Gillespie kann das nachvollziehen. So spannend er die sportlichen Stippvisiten nach Istanbul, Belgrad oder Berlin fand: Die Reisetätigkeit ist heftiger als bei seinen früheren Engagements in Nordamerika, wie er sagt. Das Spiel ist intensiver. „Die Euroleague ist auch intensiver als die NBA“, wie er erklärt. Doch er ist auf den Geschmack gekommen. Vielleicht geht es in München ja weiter.