Kein Tor, aber ein Treffer im Wörterbuch. Der verstorbene Pelé hat sich mit seinem Spitznamen posthum in das portugiesische Nachschlagewerk „Michaelis“ gedribbelt. „Pelé“ wird dort nun als Synonym für „außergewöhnlich“, „unvergleichlich“ und „einzigartig“ gelistet.
Dass sich Fußballer-Namen verselbstständigen – nichts neues. Man denke an „müllern“ (viele Tore schießen, oft in ulkiger Körperhaltung). Doch mit pelé erreicht das Phänomen eine neue Tragweite. Das Adjektiv kann auch im Alltag verwendet werden. Beim Essen: „Dieser Eintopf schmeckt pelé.“ Oder beim Besprechen eines Krimis: „Wie genial der Kommissar da kombiniert hat, das war pelé.“ Das Verb „müllern“ hält da nicht mit und ist auf den Fußball oder die Getreideverarbeitung begrenzt.
Nach dem Fingerzeig, den Edson Arantes do Nascimento aus dem Himmel geschickt hat, ist klar, wonach Spitzensportler in Zukunft streben: Ihr Name soll auch ein Adjektiv werden. Praktisch für die Herren Messi und Ronaldo, die sich nicht mehr in derselben Liga messen können und nun darum wetteifern, wer es als Erstes in den Duden schafft. Fraglich nur, welche Bedeutung sich durchsetzt. Wird „messi“ erfolgreich, klein oder steuervermeidend bedeuten? Verwendet man „ronaldo“ für aufgebrezelt oder in der Wüste verschwunden?
Nicht „bendern“ (verwechseln) dürfte man es mit „nagelsmann“ (überraschend verschwunden). Potenzial gibt es aber auch bei 1860: Falls die Namen der Löwen-Schluckspechte herausgefunden werden, dürfte es neue Alternativen zu betrunken oder beschwipst geben. Wer aufpasst, welche Spieler nächste Saison „nagelsmann“ sind, kann sich die Namen vielleicht erschließen.
Weitere Möglichkeiten: „nadal“: verletzt, „shiffrin“: gnadenlos und „lückenkemper“: schnell. Der Verständlichkeit bei TV-Kommentaren wegen ist zu hoffen, dass sich der Trend nicht durchsetzt. Man stelle sich nur ein Foul an Ronaldo im Trikot Portugals vor: „Shiffrin, diese Grätsche. Kein Wunder, dass Ronaldo jetzt nadal ist. Die Chancen Portugals sind nun ganz lückenkemper gesunken. Sie sind nur noch messi.“ „Tyson“ (bedrohlich) wäre das für die Schönheit der Sprache.
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