München – Im Logen-Bereich der Allianz Arena wird am 22. Mai über die Zukunft von Oliver Kahn als Geschäftsführer der FC Bayern AG entschieden. Dann tagt der achtköpfige Aufsichtsrat und es obliegt lediglich dem mächtigen Kontrollgremium, Vorstandsmitglieder von ihren Aufgaben zu entbinden. Bei besagtem Treffen handelt es sich um die turnusgemäß letzte Sitzung der Saison. Bei dieser müssen Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic – wie jedes Jahr – die sportliche Situation erläutern und Fragen beantworten, allen voran: Warum gab es nach der WM in Katar einen massiven Leistungseinbruch der Mannschaft? Nach dieser sportlichen Analyse wird der Aufsichtsrat ohne die Vorstandsmitglieder deren Arbeit Revue passieren lassen und sich unterhalten, wie er die Saison erlebt hat. An dieser Stelle geht es auch um Kahns Anteil an der aktuellen Krise.
Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist das einzige Aufsichtsratsmitglied, das auf eine Profi-Karriere im Fußball zurückblicken kann und die nötige Fachkompetenz in diesem Bereich vorweist. Die restlichen Protagonisten sind vor allem (ehemalige) Top-Manager bei DAX-Konzernen wie Markus Duesmann (Vorstandschef Audi AG), Thorsten Langheim (Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG), Dr. Jan Heinemann (Chefjurist Adidas AG) oder Dr. Werner Zedelius (ehemaliges Vorstandsmitglied Allianz SE). Dementsprechend hat Hoeneß’ Wort in sportlichen Belangen großes Gewicht. Zumal viele der Wirtschaftsbosse den Bayern-Patron regelrecht anhimmeln.
Komplettiert wird das Gremium vom ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und den beiden Vereinsvertretern Prof. Dr. Dieter Mayer (1. Vizepräsident FC Bayern e.V.) und Herbert Hainer (Präsident FC Bayern e.V.), der die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden ausführt. Laut Satzung steht der Präsident des e.V. dem Gremium automatisch vor, die Vertreter der Anteilseigner Audi, Adidas und Allianz werden als dessen Stellvertreter geführt.
Öffentlich betont Hoeneß zwar stets, dass er durch seinen Rückzug aus dem operativen Bereich keinen Einfluss mehr auf das Tagesgeschäft habe, doch hinter den Kulissen ist er noch präsent – und soll schon seit längerer Zeit mit der Arbeit der neuen Führung um Kahn hadern. „Mir wurde von mehreren Menschen berichtet, dass Uli mit der Besetzung, die er maßgeblich in der Chefetage installiert hat, seit vielen Monaten unzufrieden ist“, behauptet Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Der Rekord-Nationalspieler hat sich mittlerweile zum Chefkritiker aufgeschwungen und meint: „Wenn man die Führung und die Macht weitergibt, muss man die Neuen machen lassen. Aber wenn es in der Familie nicht gut läuft, dann kann man sich auch den Rat und die Weisheit des Oberhauptes zu Herzen nehmen.“
Trotzdem plädiert Matthäus dafür, nicht mitten in der Saison die Führungskräfte zu entlassen: „Es kann auch nicht die Lösung sein, dass Uli jetzt wieder den Verein an vorderster Front führt.“ Einen kleinen Vorgeschmack, wie das aussehen könnte, gab Hoeneß bereits mit seinem spontanen Trainingsbesuch am Mittwoch. Wie man sich den FC Bayern der Zukunft vorstellt, wird der Aufsichtsrat zeitnah offenbaren – und sich bei seiner Entscheidung stark an Hoeneß’ Meinung orientieren.