München – Das vom FC Bayern so verabscheute K-Wort ist mittlerweile an der Säbener Straße salonfähig geworden: Krise. Der deutsche Rekordmeister befindet sich mitten im größten sportlichen Tief des vergangenen Jahrzehnts, es droht nach elf Jahren die erste Saison ohne Titel. CEO Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic tragen in der öffentlichen Wahrnehmung die Hauptschuld an dieser Talfahrt – und sind sich dessen auch bewusst. Trotzdem stemmen sie sich mit aller Macht gegen die aktuelle Situation.
Während Salihamidzic in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche mit Spielern geführt hat, zeigt Kahn nun auch im Trainingsbetrieb Präsenz und schlägt laute Töne an. Unmittelbar nach der Niederlage in Mainz stellte er sich den unbequemen Fragen zur Mannschaft und seiner persönlichen Situation. „Zum Schluss sind es elf Mann, die da auf dem Platz stehen und die sich für die Ziele dieses Clubs einfach den Hintern aufreißen müssen. Um das geht es im Fußball – und um nichts anderes“, fauchte der Vorstands-boss. Jeder Spieler müsse sich hinterfragen. „Was will ich erreichen, wenn ich auf dem Platz bin? Welche Bereitschaft bringe ich mit? Welchen Einsatz bringe ich mit? Alles, was den Fußball neben dem reinen Spielen ausmacht, hat in der zweiten Hälfte bei unserer Mannschaft einfach gefehlt“, motzte Kahn. Der Vulka(h)n brodelt endlich.
Natürlich wird Kahn in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern in erster Linie an den Erfolgen des Clubs gemessen, doch hinter den Kulissen kämpft der einstige Weltklasse-Torhüter noch an anderen Fronten für das Wohl des Münchner Vorzeigevereins. Diese Tatsache geht in der aktuellen Situation zwar unter, trotzdem spielt sie in der Gesamtbetrachtung von Kahns Arbeit eine Rolle. So vertritt der 53-Jährige als Vizepräsident der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) die Interessen der Spitzenvereine. Seine größte Errungenschaft: Unter anderem war der Bayern-Boss maßgeblich daran beteiligt, dass die UEFA auf Druck der ECA das Financial Fairplay durch Financial Sustainability abgelöst hat. Vereine dürfen demnach künftig nur noch 70 Prozent ihrer Einnahmen für Kaderkosten ausgeben, inklusive Transfers, Gehältern und Zahlungen an Spielerberater. Dadurch soll im Kampf mit Investoren-Clubs für eine größere Chancengleichheit im Wettbewerb gesorgt werden. Darüber hinaus war Kahn maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, die den Vereinen künftig mehr Geld für WM-Abstellungen einbringen.
Nicht nur international, auch in Fußball-Deutschland mischt Kahn in verschiedenen Gremien mit, wie beispielsweise der DFB-Taskforce. Diese soll dafür sorgen, dass die Nationalmannschaft nach zweimaligem Vorrunden-Ausscheiden bei einer Weltmeisterschaft wieder erfolgreich wird.
Aktuell bringt sich Kahn auch intensiv bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) ein. Diese schmiedet Pläne, inwiefern künftig Investoren-Gelder in der Bundesliga sinnvoll eingebracht werden könnten. Kahn findet die Idee prinzipiell interessant, wohl wissend, dass sich ein Investoren-Einstieg vor allem für die Clubs lohnen müsste. Von einem Investor verspricht sich die DFL viel Geld. Rund zwei bis drei Milliarden Euro soll der Deal in die Kassen bringen.
Obwohl Kahn also viele Themen um die Ohren hat, liegt sein Fokus derzeit – genau wie bei Salihamidzic – voll auf dem offenen Kampf um die deutsche Meisterschaft. Alles andere stellt er aktuell hinten an.