München – Vier Wochen lang war in der Formel 1 Pause – allerdings nur auf der Rennstrecke. Das Gerüchtekarussell drehte sich in unverminderter Geschwindigkeit weiter. Ein Überblick: Sebastian Vettel könnte bei Red Bull einsteigen (dementiert), Red-Bull-Chefberater Helmut Marko denkt an Abschied (vom frisch 80-Jährigen ins Reich der Fabeln verwiesen), Ferrari-Ass Charles Leclerc ersetzt bei Mercedes Lewis Hamilton (Lewis: „Ich bleibe!“). Fakt dagegen ist: Franz Tost wird zum Ende der Saison nach 18 Jahren als Teamchef von Alpha Tauri aufhören.
Das Tost-Aus beim chronisch erfolglosen Schwesterteam von Red Bull wiederum, so vermuten es einige Beobachter, könnte Marko hellhörig gemacht haben. Der neue Red-Bull-Sportchef Oliver Mintzlaff, so scheint es auf den ersten Blick, kehrt mit eisernem Besen durchs Dosenimperium. Marko sollte zumindest gewarnt sein. Doch die Nachricht vom Tost-Abschied kam nur für Außenstehende überraschend. Wer mit dem 67-Jährigen indes vertraut war, wunderte sich nicht, immer wieder ließ der Tiroler in Gesprächen anklingen, dass er den Job „nicht ewig“ ausüben werde. Kurz vor dem Flug zum Rennen in Baku sagt er jetzt zu unserer Zeitung: „Der Entschluss ist lange in mir gereift. Beim Gespräch am Mittwoch unter anderem mit Oliver Mintzlaff kamen wir übereinstimmend zum Entschluss, dass Ende des Jahres der beste Zeitpunkt wäre.“
Der Tod von Firmengründer Dietrich Mateschitz 2022 aber hätte keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, auch wenn Mateschitz eine Vertrauensperson für Tost war. „Ihm habe ich eine Menge zu verdanken. Ohne ihn hätte es Red Bull in der Formel 1 nie gegeben. Aber mit 67 Jahren muss man langsam mal kürzer treten. Ich hatte kaum noch Privatleben und keine Freizeit mehr. So kam ich zum Beispiel drei Jahre nicht mehr zu meinem geliebten Skifahren.“ Das will Tost im nächsten Jahr nachholen. Der Tiroler gibt seine Wohnung in Italien auf und zieht zurück in seine Heimat, nach Innsbruck. Darauf freut sich sein alter Weggefährte und zukünftiger Quasi-Nachbar Gerhard Berger (63). Die österreichische Motorsportikone zu unserer Zeitung: „Die Formel 1 verliert nicht nur einen großen Motorsportler, sondern auch einen tollen Charakter. Das Wort Politik gibt es in seinem Wortschatz gar nicht. Bei ihm weiß man immer, woran man ist. Und das heißt in der Formel 1 schon was.“
Allein: Bis Ende des Jahres wird Tost weiter im Vollgas-Modus bleiben und auch einen seiner beiden Nachfolger einarbeiten, seinen Landsmann Peter Bayer. Der ehemalige Sportchef bei der FIA zusammen ist mit dem derzeiten Ferrari-Mann Laurent Mekies Teil der Doppelspitze, die sich die Arbeit von Tost aufteilt. Bayer wird als CEO besonders in den Bereichen Zusammenarbeit mit Schwesterteam Red Bull Racing, Finanzen und Marketing tätig sein. Der Franzose Meckies, der zu Toro-Rosso-Zeiten schon unter Tost arbeitete, ums Sportliche kümmern. RALF BACH