Sie wollen keine Rivalen sein

von Redaktion

Komplizierte Konstellation: Musiala hat Müller ersetzbarer gemacht

VON MANUEL BONKE

München – Wenn Thomas Müller kein Stammspieler ist, wird das in München schnell zum Politikum. Das bekamen bereits einige Trainer des FC Bayern zu spüren. Den einen bereitete das weniger Probleme (Pep Guardiola) als den anderen (Carlo Ancelotti, Niko Kovac, Julian Nagelsmann).

Auch der kürzlich an der Säbener Straße installierte Fußballlehrer Thomas Tuchel macht derzeit seine Erfahrungen. Beim 2:0 gegen Hertha BSC musste sich Vereinsikone Müller erneut mit einer Bankrolle zufrieden geben. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus fragte in seiner Rolle als Sky-Experte sogar: „Wenn Müller gegen den Tabellenletzten nicht spielt – gegen wen spielt er dann?“

Zur Wahrheit über die Reservistenrolle des bajuwarischen Urgesteins gehörte am Sonntag aber auch, dass sich Müller nach Auskunft von Tuchel nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befand: Rückenprobleme. „Ich wollte mir die Möglichkeit offen halten, die letzten 30 Minuten mit Thomas zu Ende zu spielen. Falls wir jemanden brauchen, der die Erfahrung hat, der den Riecher hat und das Selbstvertrauen nicht verliert, weil es jetzt gerade noch 0:0 steht. Das war die Kombination“, erklärte der Bayern-Trainer. Sein Plan ging auf: Nach Müllers Einwechslung in der 61. Minute fielen die beiden Münchner Treffer.

Doch wer den Ehrgeizling erlebt, weiß: Müller gibt sich auch im Spätherbst seiner Karriere nicht mit einer Rolle als Ergänzungsspieler zufrieden. Sein Problem: Mit Jamal Musiala tummelt sich das größte Versprechen der deutschen Fußball-Zukunft auf seiner Parade-Position hinter den Spitzen.

Allerdings nerven sowohl Müller als auch Musiala die öffentlichen Debatten, dass sie sich um den einen Platz hinter den Spitzen duellieren. Beide schätzen einander enorm. Müller ist begeistert von den fußballerischen Fähigkeiten des 20-Jährigen, den Youngster beeindruckt die Spielintelligenz des 33-jährigen Müller.

Kein Wunder, dass beide am liebsten gemeinsam auf dem Platz stehen. „Seit Jamal Musiala in der Mannschaft fast unverzichtbar geworden ist, ist es für Thomas Müller noch schwieriger geworden. Musiala hat Müller ersetzbarer gemacht. Es ist keine einfache Zeit für den ,Mister FC Bayern’“, schreibt Matthäus in seiner Sky-Kolumne und geht noch einen Schritt weiter: „Wenn man nach der Saison eine Analyse macht und der Trainer sowohl der Mannschaft als auch den Verantwortlichen erklärt, was er sich für die kommende Saison wünscht und vorstellt, dann würde es mich überraschen, wenn Müller plötzlich wieder zum Stammspieler wird.“ Dann sei wohl der Punkt erreicht, an dem sich Müller den Transfermarkt mindestens ganz genau anschaue.

Sollte Müller den Verein vor Ablauf seiner Vertragslaufzeit im Juni 2024 verlassen, wäre das für die Münchner Anhängerschaft schwer zu verkraften. „Man muss sich nur einmal daran erinnern, wie laut die Fans seinen Namen beim Rückspiel gegen Manchester City gerufen haben, als er eingewechselt wurde. Das war lauter als bei allen Einwechselspielern zusammen“, erinnert sich Matthäus. Ob das reicht?

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