Der Daniel Düsentrieb der Formel 1 bleibt ein Bulle

von Redaktion

Designer-Genie Adrian Newey arbeitet seit 17 Jahren für den Top-Rennstall – nun hat er seinen Vertrag verlängert

VON RALF BACH

Miami – Es läuft für Red Bull im Moment: Doppelsieg mit Sergio Perez und Max Verstappen am vergangenen Sonntag in Baku, Doppelführung der beiden Piloten in der Fahrerwertung, überlegener Vorsprung in der Teamwertung. Und vor dem GP am Sonntag in Miami gibt es noch mal gute Nachrichten für die Österreicher. Designergenie Adrian Newey hat seinen Vertrag mit dem Dominator-Team verlängert.

Dazu muss man wissen: Der Brite gilt als Garant für Siege in der Formel 1. Das englische Superhirn ist der erfolgreichste Designer der Königsklasse. Seit 2006 baut er die Siegerautos für Red Bull – und wird das auch weiter tun. Red-Bull-Motorsportchefberater Helmut Marko (80) bestätigt dies unserer Zeitung, „Die Vertragsverlängerung mit Adrian Newey zeigt, dass wir weiter auf Kontinuität bauen und dass bei uns ein extrem angenehmes Arbeitsklima herrscht“, sagt der Grazer auf Nachfrage. „Adrian ist seit 17 Jahren bei uns und obwohl es kein Vertrag auf Lebenszeit ist, er immer attraktive Angebote der Konkurrenz bekommen hat und weiter bekommen wird, hoffe ich und bin mir sicher, dass er bei uns in Rente gehen wird.“

Seit 2006 hat Newey für Red Bull sechs Rennwagen entworfen, die WM-Titel gewonnen haben: erstmals 2010 den RB6 mit Sebastian Vettel am Steuer, zuletzt im Vorjahr den RB18 mit Max Verstappen.

Das Geheimnis der erfolgreichen Zusammenarbeit: Red Bull lässt Newey an der langen Leine. Anstatt jeden Tag im Büro zu sitzen, hat der Brite seine besten Ideen unter der Dusche. „Unsere Aufstellung ermöglicht es Adrian, seine Expertise einzubringen“, erklärt Teamchef Christian Horner. „Er muss nicht täglich oder bei jedem einzelnen Thema involviert sein, aber er kann seine umfangreichen Kenntnisse im gesamten Team einbringen.“

Mehr zum Daniel Düsentrieb der Vollgas-Szene: Newey, der Design-Guru, beendete 1980 sein Studium der Luftfahrttechnik mit Auszeichnung. Anschließend kam der kauzige Brite zu Fittipaldi in die Formel 1, wechselte zu March und dann zu Williams, wo er seine ersten WM-Renner zeichnete. Bei McLaren entwarf er die Siegerautos von Mika Häkkinen, bis er 2006 von Red Bull abgeworben wurde. Legendär ist die Geschichte, dass er sogar sein Zeichenbrett zum neuen Job mitnahm.

„Adrian ist ein Experte in vielen Bereichen“, betont Horner. „Wir können seinen gewaltigen Erfahrungsschatz und sein Wissen nutzen, und er arbeitet obendrein ausgezeichnet mit unseren jungen Leuten zusammen. Er ist so motiviert wie eh und je und verfolgt mit großem Interesse, was sich in der Antriebsabteilung und im Technologie-Zentrum tut.“

Das ist nicht unwichtig, vor allem wenn 2026 ein neues Antriebs-Reglement Einzug hält. Horner: „Adrian ist ein sehr kompetenter Ingenieur, was den Verbrennungsprozess anbelangt.“ Davon konnte sich auch Sebastian Vettel überzeugen. Der Heppenheimer holte seine vier WM-Titel mit Autos, die die Auspuffabgase nutzten, um Abtrieb auf der Hinterachse zu generieren. Ein spezieller Technikkniff Neweys, auf den Vettel seinen Fahrstil perfekt angepasst hatte.

Einen Fehler indes bedauert Newey bis heute: den Tod der brasilianischen Rennfahrerlegende Ayrton Senna in Imola 1994. 2014 gestand er einen Konstruktionsfehler als mögliche Unfallursache ein. Die Seitenkästen des Fahrzeugs waren zu lang, was einen fatalen Strömungsabriss beim Aufsetzen des Wagens bei Bodenwellen und ein Ausbrechen des Hecks zur Folge hatte.

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