Messis Suspendierung

Ein Genie als Gierschlund

von Redaktion

HANNA RAIF

Um zu erkennen, ob die Situation eine solch hart klingende Entscheidung hergibt, reicht ein Blick auf die Tabelle der französischen Ligue 1. Fünf Punkte Vorsprung hat Paris St. Germain da als Tabellenführer auf den Verfolger Olympique Marseille – und das, obwohl das StarEnsemble aus der Hauptstadt am vergangenen Wochenende mit 1:3 gegen den Tabellenzehnten FC Lorient verloren hat. Weil man im Pokal und in der Champions League bereits seit dem Achtelfinale zum Zuschauen verdammt ist, tut man sich mit der Suspendierung eines Superstars freilich leichter. Lionel Messi wird bei den Punktspielen gegen Troyes und Ajaccio zusehen müssen. Meister wird PSG drei Spieltage später wohl trotzdem werden. Mit Messi – oder trotz Messi?

Es schmerzt als Liebhaber des Fußballs schon ein wenig, diesen Mann, der diesem wunderbaren Sport so viel mehr gegeben hat als alle anderen, von seiner zweiten Seite beleuchten zu müssen. Aber es gehört leider zur Wahrheit, dass der sogenannte „GOAT“, der Größte aller Zeiten, den Herbst seiner Karriere ähnlich unrühmlich gestaltet wie der bisweilen deutlich eitler wirkende Cristiano Ronaldo. Während der Portugiese seine Seele bereits seit mehreren Monaten für fürstliches Gehalt an Saudi-Arabien verkauft hat, versucht Messi zwar immerhin, seine ab und an noch so genialen Füße weiter in Europas Spitze einzusetzen (in 37 Saisonspielen steht er bei 39 Scorer-Punkten). Der Hang zu Geld und Gigantismus wirft aber auch auf sein Denkmal einen Schatten, der deutlich länger ist als die 170 Zentimeter, die er misst.

In dieser Woche also schwänzte Messi ein Team-Straftraining bei PSG, um seiner Rolle als Tourismus-Botschafter der wunderbar heilen Saudi-Welt nachzukommen. Herrliche Bilder, schöne Natur, Familien-Idylle. Zitat: „Ich liebe es, unerwartete Wunder zu erkunden, wann immer ich es kann.“ Dass die Definition des geeigneten Zeitpunkts für einen PR-Trip zwischen ihm und seinem Arbeitgeber auseinandergeht, ist ihm dabei relativ egal. Genau wie die Tatsache, dass sein Auftraggeber es mit den Menschenrechten nicht ganz so eng sieht.

Die wunderbare Geschichte des Eigengewächses, das in Barcelona einen ganzen Club groß machte, hatte schon einen Makel bekommen, als unter anderem Messis fürstliches Gehalt genau diesen Verein nah an den Ruin trieb. Sie ist aber nach dem Kapitel PSG nicht mehr zu wenden. Am Ende sollte man froh sein, wenn der einstige Wunderknabe dem Ruf des großen Geldes weiter folgt und bei Al-Hilal ein Jahresgehalt von 400 Millionen Euro einstreicht. Meister wird Paris auch ohne ihn.

Hanna.Raif@ovb.net

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