Madrid – Wer auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich wandelt, dessen Unterschrift ist sogar um Mitternacht in Madrid noch heiß begehrt. Nur zu gerne erfüllte Jan-Lennard Struff aber auch zu später Stunde die Autogrammwünsche der Fans in der Caja Magica, nachdem er Daniel Altmaier ins Viertelfinale des Sandplatz-Masters gefolgt war – und damit dem deutschen Männer-Tennis selbst ohne Zutun von Topstar Alexander Zverev einen historischen Erfolg beschert hatte.
Erstmals seit 29 Jahren schafften zwei Deutsche bei einem Masters-Turnier den Sprung unter die besten acht Spieler – zuletzt war dies Becker und Stich 1994 in Rom gelungen. Und während sich Olympiasieger Zverev direkt nach der Abreibung durch Spaniens Überflieger Carlos Alcaraz bitter enttäuscht in den Flieger Richtung Monte Carlo setzte, genoss Struff nach einem beschwerlichen Weg seit vergangenem Jahr umso mehr seine Renaissance auf roter Asche.
„Ich bin sehr glücklich“, sagte der 33-Jährige bei Sky nach dem umkämpften 7:6 (9:7), 6:7 (7:9), 6:3 gegen den Argentinier Pedro Cachin und freute sich schon auf das Duell ums Halbfinale am Donnerstag gegen den Weltranglisten-Fünften Stefanos Tsitsipas. „Das sind die Matches, wofür man gerne spielt“, sagte Struff und äußerte sein gesteigertes Selbstvertrauen: „Ich freue mich, im Viertelfinale zu sein, aber es soll jetzt hier nicht aufhören.“
Lange musste Struff auf solche Erfolgserlebnisse warten, die Rückkehr in die Weltspitze war mühsam. Im März 2022 hatte er sich in Miami einen Zeh gebrochen, der Warsteiner verpasste die gesamte Sandplatzsaison und rutschte in der Weltrangliste weit ab. Der Weg zurück in die Top 100 gestaltete sich schwieriger als erhofft, Struffs Alltag lautete Challenger-Tour und Qualifikationen für ATP-Turniere. Doch nun scheint der Knoten geplatzt, bereits beim Masters-Turnier in Monte Carlo im April hatte er das Viertelfinale erreicht. Nach dem Erfolgslauf in Madrid, wo er wie Altmaier als Lucky Loser ins Hauptfeld rutschte, kratzt Struff sogar an den Top 40. Und es ist unübersehbar, wie wohl er sich auf dem Court wieder fühlt. Der Davis-Cup-Spieler wirkt selbstbewusst und extrem fokussiert, seine Gegner stellt er mit aggressivem, mutigem Spiel vor Probleme. sid