Die Rufe nach Kalle werden lauter

von Redaktion

Rückkehr auf Zeit? Der Name Rummenigge kursiert an der Säbener Straße

VON HANNA RAIF UND PHILIPP KESSLER

München – Das Bild, das da am Sonntag von den besten Plätzen der Allianz Arena die Runde machte, klärte sich am Tag danach auf. Im Rahmen des 2:0 gegen Hertha BSC war das ehemalige starke Trio Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner als Vorstand des FC Bayern Hilfe e.V. bestätigt worden, und wenn man schon mal da ist, schaut man halt auch zusammen Fußball. Die Botschaft, die in die Vereinigung des Triumvirats interpretiert wurde, war den Beteiligten aber auch gar nicht so Unrecht. Es dürfen und sollen schon alle wissen, dass die Männer, die den FC Bayern groß gemacht haben, in der größten Krise seit ihrem Abtreten genau hinsehen – und zwar kritisch.

Es ist in den vergangenen Jahren nicht selten passiert, dass sowohl Hoeneß als auch Rummenigge sich beim Blick auf ihren Club gefragt haben, wie sie in vergleichbaren Situationen gehandelt hätten. Auch wenn die Antwort oft nicht deckungsgleich mit dem Handeln von Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic war, hielten sie sich lange zurück. Die beiden einstigen Macher wissen genau, dass der frühe Machtwechsel an der Säbener Straße vor allem aus der Tatsache resultierte, dass sie sich in ihren letzten Amtsjahren aneinander aufgerieben haben. Dennoch sind die Zweifel daran, dass sie den richtigen Zeitpunkt (und die richtigen Personen) für diese Mammutaufgabe ausgewählt haben, nicht erst seit diesem verkorksten Fußballjahr, sondern schon weit davor – und sukzessive mehr – gewachsen.

Für beide ist dieser Club eine Herzensangelegenheit. Tatenlos dabei zusehen, wie er in eine Richtung steuert, die außer ihnen auch noch einigen anderen missfällt, können sie nicht. Während Hoeneß in der Krise aktiver auftritt – und auch bei der auf 30. Mai verschobenen Aufsichtsratssitzung Wortführer sein wird –, hält sich Rummenigge, der kein offizielles Amt mehr bekleidet, vor allem im Hintergrund. Bewusst hat er sich schon vor einigen Wochen einen Maulkorb verpasst, zum Thema FC Bayern hat der 67-Jährige seit dem Champions-League-Achtelfinale gegen PSG keine Interviews gegeben. Das liegt zum einen daran, dass er ein großer Fan von Thomas Tuchel ist und dem neuen Coach Ruhe gönnen wollte. Rummenigge verzichtet aber auch bei all den anderen Punkten, zu denen er eine klare Meinung hat, darauf, zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Dass die Rufe nach seiner Rückkehr trotzdem lauter werden, ist ihm freilich nicht entgangen. Schon vor einem Monat wünschten sich laut einer Umfrage der ONE8Y Sports Marketing Agency im Auftrag unserer Zeitung fast Zwei Drittel der Bayern-Fans den alten Vorstandsvorsitzenden zurück. Bei Sky90 legte Lothar Matthäus nun nach. „Rummenigge kommt mir viel zu kurz in dieser ganzen Geschichte“, sagte der Experte und verwies auf diverse Pluspunkte des einstigen Bosses: „Kalle hat den FC Bayern 25 Jahre lang international präsentiert, hat überall ein hohes Standing und einen überragenden Fußballsachverstand.“ Vor allem aber haben Hoeneß und Rummenigge für Matthäus „diese Münchner Mentalität, dieses Mia san mia. Die anderen haben es vielleicht nie so mitbekommen.“ Die anderen, das sind Kahn und Salihamidzic.

Rummenigge hat Nachfragen zu einer möglichen Rückkehr nach Informationen unserer Zeitung zuletzt noch mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Matthäus aber sagt: „Ich könnte ihn mir noch mal über einen gewissen Zeitraum beim FC Bayern vorstellen.“ Ähnliches ist aus dem Umfeld des Vereins zu hören, wo Rummenigge – sollte der Aufsichtsrat den Daumen bei Kahn senken – als ideale Übergangslösung gesehen wird.

Auch vom Mitwirken in der Task Force beim DFB musste Rummenigge überzeugt werden. Dass er gerne gebraucht wird und hilft, ist aber kein Geheimnis. Zwei Heimspiele gibt es noch in dieser Saison. Mal sehen, wer die besten Plätze einnimmt.

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