Stuttgart – Ob die Bayern-Bosse das gesehen haben? Mit Sicherheit! Die Rede ist vom dritten Treffer der Frankfurter Eintracht beim 3:2 (0:1) im Pokal-Halbfinale gegen den VfB Stuttgart, mit dem die Hessen die Tür zum Finale in Berlin endgültig aufstießen. Und ja, diesen entscheidenden Treffer erzielte einmal mehr Randal Kolo Muani, jener 24-jährige Superstürmer aus Frankreich, der nach insgesamt 21 Treffern sowie 15 Assists auch auf dem Zettel der Münchner Verantwortlichen steht.
Mit seinem sechsten Tor im laufenden Wettbewerb stieg Kolo Muani zum alleinigen Spitzenreiter in der Torschützenliste auf und schraubte seine ohnehin beeindruckende Scorer-Statistik noch höher. Auch die Vorlage zum 1:1-Ausgleich durch Evan N’Dicka (51.) hatte Kolo Muani beigesteuert. Es ist nur logisch, dass der Superstürmer von europäischen Topclubs umgarnt wird – und auch die Bayern ihre Fühler ausgefahren haben. Rund 100 Millionen Euro für einen Stürmer hat der Aufsichtsrat schon abgesegnet, Frankfurt aber will angeblich noch 20 mehr. Wenn man ihn da am Mittwoch in Stuttgart so hat spielen sehen, weiß man schon, warum. Uli Hoeneß soll ein großer Fan sein, obwohl intern Zweifel bestehen, ob Kolo Muani im Bayern-Trikot den nötigen Raum für seine genialen Toraktionen bekommen würde. Man wird also auch beim Pokalfinale am 3. Juni gegen RB Leipzig genau hinsehen.
Kolo Muani war einmal mehr der Mann des Spiels – angesichts der Geschehnisse jedoch war Oliver Glasner das vorerst reichlich egal. Die Freude wurde im Kollektiv genossen, der Coach war mittendrin. Völlig losgelöst von der Erde und der erdrückenden Last des Alltags setzte der zuletzt angezählte Glasner zum Tauchgang an. Ein kurzer Anlauf, dann hechtete der SGE-Trainer auf den tosenden Block der Anhänger zu. Den „Diver“ hatte Glasner schon nach den großen Siegen in der Europa League gemacht, beim Sieg in Barcelona oder nach dem Final-Triumph. Nun also nach dem Finaleinzug im Pokal.
„Die Fans haben ‚Eintracht vom Main’ gesungen, da musste ich nochmal rüber, das habe ich einfach aufgesaugt“, sagte Glasner. Ihm war die schier grenzenlose Erleichterung über den schließlich erst zweiten Sieg in den vergangenen zwölf Spielen sichtlich anzumerken. Vergessen war da erst mal die Talfahrt in der Bundesliga bis hinab auf Rang neun, vergessen die Mutmaßung, dass da ein Team bereits vor dem Saisonende zerfällt. Eines wisse er immer, betonte Glasner: Seine Mannschaft „gibt bis zum Schluss alles für den Erfolg“, und das, ergänzte er mit Stolz in der Stimme, „gibt mir ein wahnsinniges Vertrauen. Dieses Urvertrauen habe ich in diesen zwei Jahren in die Spieler absolut aufgebaut.“
Das zweite Jahr unter Glasner könnte nun am 3. Juni im Finale gegen den Titelverteidiger Leipzig mit dem zweiten Titel enden. Die Eintracht wäre dann erneut für die Europa League qualifiziert – und das ist so abwegig nicht, behauptete Sportvorstand Markus Krösche: „Wir haben eine richtig gute Mannschaft – und Finalspiele können wir.“ Ermöglicht hatten dieses Endspiel nach dem 0:1 durch Tiago Tomas (19.) die Treffer von Evan N’Dicka (51.), Daichi Kamada (55.) und eben Kolo Muani (77., Foulelfmeter). Alle drei werden den Verein wohl verlassen, aber, betonte Glasner, auch für „diese Jungs lege ich meine Hand ins Feuer“. Auch wenn es einen von ihnen vielleicht an die Isar zieht… mm/sid