TV-Blackout bei Frauen-WM? Baerbock appelliert

von Redaktion

Im Poker um die Rechte für die Übertragung warnt der DFB und bekommt politische Unterstützung

Berlin – Annalena Baerbock streifte ihre High Heels ab, packte die rechte Klebe aus – und scheiterte am Roboter-Torwart. Im Elfmeter-Duell mit der Maschine versuchte es die Außenministerin mit der Methode „Brechstange“. In der Debatte um den drohenden TV-Blackout bei der Fußball-WM der Frauen dagegen setzte sie auf einen sanften, aber klaren Appell in Richtung Gianni Infantino.

„Das eine ist die FIFA, an die wir hier eindringlich appellieren können, das andere sind öffentlich-rechtliche Sender“, sagte die Grünen-Politikerin am Mittwochabend bei einem WM-Kick-off-Event im Auswärtigen Amt in Berlin: „Letztes Jahr war das Endspiel der Frauen-EM die Sendung mit der höchsten Einschaltquote im gesamten Jahr. Das lohnt sich dann auch wieder ökonomisch in dem Bereich.“

FIFA-Boss Infantino droht mit einem Blackout-Szenario. Sollten die Angebote der Sender „weiterhin nicht fair“ sein, werde der Weltverband „gezwungen“ sein, die WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) „nicht in die ‘Big 5’ der europäischen Länder zu übertragen“, hatte Infantino bei einer Podiumsdiskussion in Genf gesagt. Erstmals vergibt die FIFA die Rechte gesondert und nicht in einem Gesamtpaket mit der Weltmeisterschaft der Männer.

Die Spiele ihrer Mannschaft nicht live im TV? Das ist auch für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein Schreckensszenario. „Ich kann nur diesen Appell aussprechen, dass sich alle Beteiligten wirklich noch einmal zusammensetzen und man im Sinne des Sports, der Sichtbarkeit und auch der Millionen Fans eine Lösung findet. Das ist eigentlich alternativlos“, sagte die 55-Jährige. Nur Live-Streams wären der Bundestrainerin dabei zu wenig, denn: „Ich weiß, dass meine Eltern mit 86 und 82 Jahren auch diese WM schauen möchten. Und sie hätten keinen Zugang. Ich finde, wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag.“ In die gleiche Kerbe schlug auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der sich lange mit Baerbock ausgetauscht hatte. „Dieser Blackout darf nicht kommen, das wäre ein echter Rückschritt für den Fußball in Deutschland und weltweit“, sagte der 61-Jährige, der seit einem Monat im FIFA-Council sitzt.

Doch der Ton der FIFA war in der Thematik rauer geworden. „Um es ganz klar zu sagen: Es ist unsere moralische und rechtliche Verpflichtung, die Frauen-WM nicht unter Wert zu verkaufen“, lautete Infantinos Ansage. sid

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