München – Der Titel klingt exotisch: Chief of Staff beim FC Bayern München. So liest sich die Berufsbezeichnung von Moritz Mattes im digitalen Karrieren-Netzwerk LinkedIn. Auf den Fluren der Säbener Straße wird er vor allem als Büroleiter und engster Vertrauter von Geschäftsführer Oliver Kahn wahrgenommen. Wer einen Termin mit dem Titan möchte, kommt nicht an Mattes vorbei. Sein Auftreten gegenüber den Mitarbeitern auf zwischenmenschlicher Ebene: äußerst forsch und daher umstritten. Bisher trat der Schattenmann von Kahn in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Bis jetzt.
Im Rahmen der „International Week“ des FC Bayern wurde auf der Homepage ein Interview mit Marketing-Vorstand Andreas Jung, den drei Leitern der Auslandbüros Dee Kundra (USA), Philipp Wunderlich (China) und Maximilian Haschke (Südostasien) und Mattes veröffentlicht. Hier erfährt man, dass der Kahn-Vertraute auch in Sachen Internationalisierung mitmischt: „Ich koordiniere von München aus zwischen New York, Shanghai und Bangkok und treffe gemeinsam mit den Büroleitern die wesentlichen strukturellen Entscheidungen.“
Dieser Fakt ist insofern interessant, als zuvor Jörg Wacker als Vorstand für Strategie und Internationalisierung diesen Bereich federführend verantwortete, ehe er im September 2021 aus dem Vorstand abberufen wurde. Nach der Trennung ging der Fachbereich Internationalisierung an Jung, die Strategie-Themen übernahm Kahn höchstpersönlich – und damit war sein Büroleiter mitten im internationalen Geschehen und war beispielsweise bei der Eröffnung des Bayern-Büros Bangkok involviert. Und Mattes schmiedet auch schon Pläne für die Zukunft, schielt gemeinsam mit Vorstand Jung unter anderem auf den afrikanischen Markt.
Laut Mattes gehe der FC Bayern immer dorthin, wo die Fans sind: „Es war immer das Credo des FC Bayern, dass wir bei der Internationalisierung eine andere Strategie verfolgen als die Konkurrenz. Wir sind nicht in 20 Märkten mit ein paar Mitarbeitenden vertreten, die versuchen, für möglichst wenig Geld überall den FC Bayern-Stempel drauf zu drücken. Unsere Strategie zielt auf ein langfristiges Engagement: Wir wollen kein schnelles Rein-Raus.“ Angesichts der Selbstverständlichkeit dieser Sätze könnte man meinen, Mattes arbeite schon seit Jahren für den Münchner Club. Dabei ist er erst zwei Jahre und neun Monate für den FC Bayern tätig – und ohne Kahn wäre er freilich nicht dort.
Das Duo gründete gemeinsam das Unternehmen Goalplay. Kahn war das Gesicht der Firma, die eine App für Torwarttraining entwickelt hatte. Mattes zog im Hintergrund die Fäden. Als der FC Bayern beim ehemaligen Weltklasse-Torhüter anklopfte, sollen den dem Vernehmen nach die Gewissensbisse geplagt haben: Mattes, der mit Kahn das Seminar „The Business of Entertainment, Media and Sports“ an der Havard Business School besuchte, hatte damals seine bisherige berufliche Existenz für das Projekt aufgegeben. Zwar ist Kahn noch Gesellschafter von Goalplay, doch seinen Posten als Geschäftsführer musste er wegen seiner FCB-Tätigkeit abgeben – und brachte Mattes als Chief of Staff neun Monate später an der Säbener Straße unter.