Alexander Zverev, Boris Becker, Dimitrij Ovtcharov und, und, und… – Tennis-Ass Jan-Lennard Struff hatte am Donnerstagabend bei seinem märchenhaften Einzug ins Halbfinale von Madrid viele prominente Zuschauer an den TV-Bildschirmen, die ihm die Daumen drückten. Einer davon war Mats Hummels. Die beiden kennen sich, trafen sich schon in München und haben in den kommenden Wochen ein gemeinsames Ziel: die Deutsche Meisterschaft. Struff besuchte während der BMW Open mit Bayern-Fan Zverev & Co. zwar das Rückspiel der Münchner gegen Manchester, ist seit Kindertagen aber eingefleischter Dortmund-Fan. Und in Sachen Mentalität hat er seinem BVB im Duell gegen den favorisierten Griechen Stefanos Tsitsipas vorgemacht, wie man Großes vollbringen kann.
Die (Tennis-)Anlage in Madrid wird auch Caja Mágica (zu Deutsch: Zauberkiste) genannt. Doch Struff ist kein Magier zwischen den Linien. Von seiner Spielart ähnelt er weder dem früheren Nationalhelden und Center-Court-Namensgeber Manolo Santana noch dem heutigen Heroe Carlos Alcaraz, der mit seinen Stoppbällen bisher noch jeden zur Verzweiflung trieb. Struff ist ein Arbeiter. Er schlägt sehr gut auf, hat viel Kraft in der Vorhand und stürmt immer wieder mutig ans Netz – ein taktisches Mittel, das im Sandplatztennis schon ausgestorben schien. Auch dass er eigentlich in der Qualifikation schon ausgeschieden war – ausgerechnet gegen seinen Halbfinalgegner Aslan Karatsev – und nur nachträglich als „Lucky Loser“ ins Feld rückte, ließ ihn offensichtlich nicht zweifeln.
Erfolge im Tennis beruhen sehr oft auf dem nötigen Selbstvertrauen, mehr noch als in vielen anderen Sportarten. Genau darauf wird es auch im Meisterfinale ankommen. Struff hat die Mia-san-mia-Mentalität demonstriert, die die Bayern seit Wochen so verzweifelt suchen und die Dortmund zuletzt bei den Titelgewinnen 2012 unter Jürgen Klopp ausstrahlte. Die Partie gegen Tsitsipas hat auch gezeigt, dass es in den entscheidenden Momenten oft nicht mehr auf taktische Trainer-Spitzfindigkeiten ankommt. „Monster“, rief Struff-Coach Marvin Netuschil seinem Schützling ständig zu. Monster-Vorhand, Monster-Volley, Monster-Slice.. Und: Come on! Oder: Let’s go! Ziemlich banal, aber der 33-Jährige pushte sich so von Ballwechsel zu Ballwechsel. Mal abwarten, wer in der Bundesliga mehr Kampfgeist beweist.
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