München – Elias Harris brauchte lange, bis er in den Innenraum des Audi Dome zurück schlappte. Der Forward der Basketballer des FC Bayern hatte im Eisbad seine müden Glieder gekühlt. Zwar war er nur gut siebeneinhalb Minuten an der 78:89-Abfuhr gegen die Academics Heidelberg beteiligt. Aber man will ja lieber auf Nummer sicher gehen nach der langen Zwangspause, die Harris gerade hinter sich gebracht hat. Drei Monate lang hatte er wegen einer Fußverletzung nicht eingreifen können. Nun kann er es, auch wenn die Rückkehr nicht unbedingt erfreulich ausfiel. Er nahm das vergleichsweise locker. „Dass du so nicht das letzte Heimspiel bestreiten willst, ist klar, aber das wird in den Playoffs anders aussehen.“
Wobei sich der Umstand, dass Harris jetzt, da die Saison in die heiße Phase geht, wieder mitmachen kann, als ungleich wichtiger erweisen könnte, als es Bayern-Verantwortlichen geahnt hatten. Denn seit Freitag ist klar: Zwei andere Eckpfeiler werden in der K.o.-Phase fehlen. Bei Center-Veteran Othello Hunter hatte sich dies wegen seines Bandscheibenvorfalls bereits angebahnt. Bei Kapitän Vladimir Lucic dagegen war Trainer Andrea Trinchieri zuletzt noch zuversichtlich gewesen („Ich sehe kein Problem“). Doch nun ist klar: Der Serbe muss wegen seiner Handverletzung unters Messer – die Saison ist auch für ihn definitiv beendet.
Womit den Bayern genau die beiden etablierten Leitwölfe abhandengekommen sind. Genau die Spieler, die das Münchner Ensemble in dieser Saison zu Erfolgen führen sollten. Im Pokal hatte das ja noch geklappt. Lucic hatte sich direkt zum Finalturnier von einer Ellenbogenverletzung zurückgemeldet. Im Halbfinale gegen Alba Berlin versenkte er kurz vor Schluss einen wichtigen Dreier, im Finale gegen Oldenburg – letzter Münchner Punktspiel-Gegner am Sonntag (15 Uhr) folgte eine Gala.
Darauf wird man nun nicht hoffen dürfen. Aber wer weiß – vielleicht kann ja ausgerechnet Harris das Vakuum füllen. Der Routinier war ja einst in Bamberg, auch unter Andrea Trinchieri, der Kapitän und Anführer. Er könnte es auch in München werden, wenn es sportlich passt. Das allerdings dürfte zum Wettlauf gegen die Zeit werden. „Ich muss mir den Spielrhythmus holen, das dauert natürlich ein bisschen“, sagt er.
Das allerdings gilt im Grunde fürs ganze Team. Zehn Tage bleiben noch, um wieder Zug ins zuletzt holpernde Spiel zu bringen. Um Kräfte wiederherzustellen – die zuletzt angeschlagenen Freddie Gillespie und Nick Weiler-Babb inklusive.
Doch zumindest Harris hat wenig Zweifel, dass das gelingen könnte. Vor allem die Erinnerung an den Pokal macht Mut – seinerzeit haben die Münchner nur vier Tage nach einem fürchterlichen Heimdebakel gegen die Hamburg Towers ihre vielleicht beste Saisonleistung abgeliefert. „Wir haben uns gezeigt, dass wir es können“, sagte Harris, „das ist wichtig.“
Und gerade er weiß ja auch nur zu gut, dass es in den Playoffs, in denen den Bayern wohl schon im Halbfinale ein Duell mit Alba Berlin ins Haus steht, längst nicht nur um spielerische Dinge geht. „Du musst alles reinwerfen, mit Emotionen spielen“, betonte Harris, „dann kann das funktionieren.“ Er muss es wissen – immerhin dreimal ging es für ihn mit diesem Rezept schon gut. 2015, 2016 und 2017 mit den Brose Baskets Bamberg.