München – Die Bayern taumeln. Auch bei Werder Bremen läuft es nicht rund. An diesem Samstag (18.30 Uhr) kommt es zum Duell der beiden Vereine. Das Interview mit Ex-Bayern-Talent und Werder-Kapitän Marco Friedl (25).
Wer schießt sich an diesem Samstag aus der Krise?
Natürlich lief es für Bayern zuletzt nicht so, wie sie sich das erhofft haben. Aber ob sie in der Krise sind, wenn sie in der Bundesliga auf dem ersten Platz sind, wage ich zu bezweifeln. Wir versuchen jedenfalls alles, damit wir die wichtigen drei Punkte einsammeln und einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt machen. Dafür brauchen wir eine Topleistung.
Am 20. September 2008 gelang Bremen der letzte Sieg gegen Bayern. Lange her.
Tatsächlich. Ich kann mich aber auch gut an ein 1:1 vor zweieinhalb Jahren in München erinnern. Damals waren wir dem Sieg näher.
Wie kann Bremen Ihren Ex-Club besiegen?
Wir wissen, dass Bayern am Samstag normalerweise mehr vom Spiel haben wird. Wir müssen darauf achten, ihnen so wenig Chancen wie möglich zu geben und ihnen ihre eigenen Stärken zu nehmen. Wir müssen versuchen, im eigenen Ballbesitz mutig zu sein und unser Spiel durchdrücken, um für Entlastung sorgen zu können. Klar ist auch: Um zu gewinnen, brauchen wir offensiv und defensiv einen Sahnetag. Darauf haben wir die Woche hintrainiert.
Welchen Spieler müssen die Bayern fürchten?
Fülle (Niklas Füllkrug, d. Red.) und Duckschi (Marvin Ducksch) sind sicher unsere zwei Spieler, die sehr gerne treffen. Fülle wird allerdings leider nicht rechzeitig fit für das Spiel und daher fehlen. Aber Fakt ist: Wir kommen über die Mannschaft. Unsere Einheit ist unsere Stärke. Die mannschaftliche Verfassung entscheidet, ob wir gut oder schlecht spielen.
Bremen ging als Neunter in die WM-Pause. Nun ist man nur sieben Punkte vor Relegationsplatz 16.
Beim 4:2 gegen die Hertha in Berlin hat man gesehen, was wir leisten können. Momentan schenken wir die Spiele aber zu leicht her und lassen unnötig Punkte liegen. Beim 1:2 auf Schalke war unsere Leistung über 90 Minuten hinweg nicht gut. Unterm Strich haben wir verdient verloren. Wir haben uns alles selbst zuzuschreiben. Wir haben vergangenes Wochenende eine Riesen-Chance liegen lassen, dass wir vielleicht sogar vorzeitig in der Liga bleiben. Wir sind Aufsteiger und im Lernprozess. Dass nicht alles direkt funktionieren kann, ist klar. Aber wir hatten in den letzten Wochen ein, zwei schlechte Spiele zu viel.
Von 2008 bis 2018 spielten Sie für den FC Bayern. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?
Ich denke oft und gerne zurück. Ich habe fast mein halbes Leben dort verbracht. Zu Serge Gnabry habe ich noch viel Kontakt, auch zu Physios oder zum Zeugwart. Einige vom Ordnungsdienst kenne ich ebenfalls. Ich habe noch Bezug nach München. Deshalb ist der Verein immer in meinem Herzen. Fürs Wochenende werde ich die FCB-Verbundenheit aber ablegen.
Wie wollen Sie als Abwehrchef Ihre Ex-Kollegen stoppen?
Bayern ist individuell hervorragend besetzt. Ein besseres Niveau kann man nicht haben. Man muss die Spieler stoppen wie jeden anderen auch: unangenehm sein, Stärke nehmen, wenig Raum lassen. Wir müssen um jeden Meter kämpfen.
Interview: Philipp Kessler