Es gibt nicht wenige Menschen im Dunstkreis von Eintracht Frankfurt, die es als nahezu absurd empfinden, einen Trainer vorzeitig ziehen zu lassen, der dem Verein zu seinem größten Triumph nach fast einem halben Jahrhundert verholfen und ihn nun ins nationale Pokalfinale geführt hat. So einer ist sakrosankt, so einen tastet man nicht an. Fertig. Aus. Oliver Glasner, um den es hier geht, genießt bei vielen Frankfurter Fans nach wie vor einen extrem hohen Stellenwert, das Unverständnis über die Trennung im Sommer ist groß. Erst kürzlich feierten sie ihn ab, weil er beim Pokalsieg in Stuttgart einen doppelten Diver vor der Kurve hingelegt hat. Die Verantwortlichen indes waren ob der Selbstinszenierung, defensiv formuliert, irritiert und perplex.
Denn zur Wahrheit gehört ja auch: Die Eintracht hat einen beispiellosen Absturz hingelegt, spielt gerade die Rückrunde der Schande 2.0. Glasner konnte in der Liga zum zweiten Mal hintereinander den freien Fall nicht verhindern. Der Diver von Stuttgart ist nur ein Beispiel für die heterogene Beziehung zwischen dem Fußballlehrer auf der einen und den Verantwortlichen auf der anderen Seite. Das Tischtuch ist zerschnitten. Sportvorstand Markus Krösche und Glasner haben keinen gemeinsamen Nenner gefunden, die Beziehung ist nachhaltig gestört. Gleich mehrfach hat der Trainer öffentlich die Qualität des Kaders infrage gestellt, den der Manager zusammengestellt hat. Der davon genervte Krösche erhöhte verbal den Druck auf den Fußballlehrer. Auch der Trainer verspürt keine Lust mehr auf die Eintracht, der tiefe Riss durch den Richtungsstreit zwischen Vorstand und Coach ist nicht mehr zu kitten. Hier die Forderung: Junge Spieler entwickeln, um sie teuer zu verkaufen. Dort die Forderung nach gestandenen, besseren Profis, mit denen sich hohe Ziele einfacher erreichen lassen.
Glasners Abschied aus Wolfsburg ging ebenfalls nicht geräuschlos vonstatten. Auch dort hat er sich mit dem Manager überworfen und war in der Mannschaft nicht gerade beliebt. Vielleicht ist es auch einfach so, dass er sich mit der Zeit abnutzt, sein Ehrgeiz ist grenzenlos, sein Antrieb immens. So einer kann unbequem sein. Gefordert ist jetzt vor allem Sportvorstand Markus Krösche: Er muss einen Nachfolger finden, der besser passt als Oliver Glasner. Dino Toppmöller ist sein Favorit.
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