München – Die Nachrichten von seinen Kollegen kommen von der Säbener Straße – und aus Ibiza. Während Benjamin Pavard nach seinem soliden Auftritt beim 2:1 in Bremen bis gestern durchschnaufen konnte, hatten Dayot Upamecano und Lucas Hernandez ein straffes Programm. Reha-Training stand für beide an, die Comebacks nach Muskelfaser- (Upamecano) und Kreuzbandriss (Hernandez) rücken näher. Und Hernandez musste zudem noch kurz in den Flieger. Eine kleine Auszeit mit seiner neuen Freundin, dem italienischen Model Cristina Buccino, passt doch ganz gut zum Reha-Endspurt. Also lieber im VIP-Beachclub abhängen als die Mitspieler im TV verfolgen? Ansichtssache.
Hernandez hat nicht gegen die Regeln verstoßen, aber es ist ganz gut, dass sein Comeback in dieser Saison nicht mehr forciert wird. Man erinnert sich noch gut an den Wirbel um die Reise von Serge Gnabry zur Fashion Week in Paris, nichts anderes wäre da ein Liebestrip eines anderen Kader-Spielers am freien Tag nach Ibiza. Hernandez aber darf derzeit (noch) sein Ding machen, aktuell werden die Übungen mit Ball intensiver. Weil man trotzdem kein Risiko eingehen will, ist der Kampf um den Platz neben Abwehrboss Matthijs de Ligt für die letzten drei Spiele nur zu einem Duell geworden. Schon am Samstag (15.30 Uhr) gegen Schalke 04 stellt sich die Frage, ob Pavard wieder weichen muss – oder Upamecano, seit gestern im Teamtraining, nach zwei Wochen Ausfallzeit ins zweite Glied verdrängt wurde.
„Er hat viel Erfahrung und weiß, was er machen muss, wenn er als Innenverteidiger spielt“, sagt de Ligt über Pavard, der gegen Hertha und in Bremen neben ihm agierte. Während Noussair Mazraoui auf der rechten Seite zum Zug kam, machte das Duo im Zentrum der Abwehrreihe seine Sache solide. Pavards Leistung passte zur Entwicklung, die der Franzose seit der für ihn persönlich total verkorksten WM genommen hat. Anstatt sich vom Frust über den Status als degradierter Bankdrücker runterziehen zu lassen, hat er sich selbst aus dem Loch gezogen und als einer der wenigen Spieler im Bayern-Kader in diesem Fußballjahr konstante Leistung gezeigt. Erst als Rechtsverteidiger, nun eben im Zentrum. Also da, wo er sich am wohlsten fühlt – und auch bleiben will.
Es ist zu hören, dass die Auftritte des 27-Jährigen auch intern Eindruck gemacht haben. Zieht man dazu die groben Patzer heran, die sich Upamecano vor seinem Ausfall geleistet hat – unter anderem beim Champions-League-Aus gegen Manchester City war er zwei Mal der Unglücksrabe –, ist es nur logisch, dass über die ideale Besetzung für die restlichen drei Partien im Meisterkampf nachgedacht wird. Die Entscheidung wird maßgeblichen Einfluss auf Pavards Zukunft in München haben. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr – und in den anstehenden Gesprächen ist aktuell: alles offen. hlr, pk