In der Hinrunde noch abgeschlagen Letzter, ist der Klassenerhalt für Schalke dank einer Aufholjagd plötzlich wieder greifbar. Mittendrin: Spielmacher Rodrigo Zalazar (23). Vor der Mammutaufgabe beim FC Bayern (Sa., 15.30 Uhr) spricht der Fanliebling über die emotionale Wucht der Fans und mögliche Hilfe für Revier-Rivale Dortmund.
Sie feierten zuletzt zwei Last-Minute-Siege gegen Bremen und Mainz. Die Fans in der Kurve explodierten regelrecht…
Es war beide Male sehr emotional. Unsere Fans sind fantastisch. Auswärts fühlt es sich für uns oft so an, als ob wir ein Heimspiel hätten. Egal, wo wir hinreisen, es sind immer unglaublich viele Schalker dabei. Ihnen gebührt ein großer Anteil an unserem Erfolg.
Weil sie die Mannschaft bis zur letzten Sekunde antreiben?
Sie stehen immer hinter uns. Und es fühlt sich großartig an, sie glücklich zu machen. Die Leute arbeiten unter der Woche hart, fahren dann am Wochenende mit dem Bus unzählige Stunden zu den Spielen. Sie mussten in den vergangenen Jahren oft leiden. Sie verdienen es, dass wir die Klasse halten.
Was bedeutet Ihnen diese Unterstützung?
Sehr, sehr viel. Ich habe Schalke und die Fans in mein Herz geschlossen. Alles, was ich tue, tue ich auch für sie. Vom ersten Tag an haben sie mich immer unterstützt – in schweren Zeiten sogar noch mehr als in guten. Das werde ich nie vergessen.
Nach dem Sieg gegen Bremen weinten zwei Ihrer Kollegen. Was macht der Druck im Abstiegskampf mit Ihnen?
Ich wandle den Druck in Motivation um. Ich möchte den Fans zeigen, dass wir niemals aufgeben. Ich kann damit gut umgehen, auch wenn ich noch jung bin.
Warum ist es gerade auf Schalke so wichtig, den Verein und die Fans verstanden zu haben?
Es reicht meiner Meinung nach nicht, den Club zu verstehen – du musst ihn leben. Gelsenkirchen ist eine bescheidene Stadt. Hier arbeiten die Menschen hart. Und Schalke ist für sie das Größte. Ob in der ersten oder zweiten Liga, das Stadion ist immer voll. Wenn neue Spieler kommen, fragen sie mich ungläubig: Wie kann das sein?! Es gibt nicht viele Orte, an denen die Liebe zum Sport und zum Verein so groß ist wie hier. Schalke ist eine Familie.
Woher kommt die mentale Stärke der Mannschaft?
Wir wissen alle, was wir wollen und was wir dafür tun müssen. Domme Drexler kam gegen Bremen z. B. von der Bank und hat das Siegtor geschossen. Sebastian Polter kam in Mainz rein und hat es super gemacht. Wir ziehen alle an einem Strang.
In der Hinrunde holten Sie nur neun Punkte. Jetzt sind es in 14 Spielen schon 21. Welchen Anteil daran hat Trainer Thomas Reis?
Wir haben einen Coach wie ihn gebraucht. Er hat eine klare Spielidee und in den vergangenen Monaten viel bewegt. Jeder sieht, dass er ein super Trainer ist. Er weiß, wie er die Spieler kommunikativ anpacken muss. Mit ihm zu arbeiten, das macht unheimlich viel Spaß.
Marius Bülter schoss in Mainz den Siegtreffer, hat schon elf Tore auf dem Konto. Ist er Schalkes Lebensversicherung?
Er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Auf dem Platz macht es das für mich auch einfacher, wenn man Spieler wie ihn neben sich hat. Er ist in Topform. Gefühlt ist jeder Schuss von ihm drin (lacht).
Jetzt geht es zum FC Bayern. Der Dortmunder Bürgermeister hat Sie und Ihre Kollegen ins Rathaus eingeladen, wenn Sie Schützenhilfe leisten. Nehmen Sie die Einladung an?
Wir fahren nach München, um für Schalke und unsere Fans zu gewinnen.
Hilfe für Dortmund würde aber bedeuten, dass sSe dem Klassenerhalt einen bedeutenden Schritt näher kommen …
Ich will gemeinsam mit dem Team den Klassenerhalt schaffen, der Rest ist mir egal.
Ist ein Sieg beim FC Bayern wirklich möglich?
Bayern hat Weltklassespieler und unglaublich viel Qualität. Im Fußball weiß man aber nie, was passiert. Wir werden wieder alles geben und versuchen, zu punkten.
Schafft Schalke den Klassenerhalt?
Davon bin ich überzeugt. Wir werden alles dafür geben und es am Ende schaffen. Der Club verdient es, in der Bundesliga zu spielen.
Interview: Johannes Ohr