Dass Harold Kreis (64) nun deutscher Eishockey-Bundestrainer ist, vollendet eine Geschichte, die vor 45 Jahren begann, als der Füssener Heinz Weisenbach, ausgebildeter Polizist und erfolgreich als Eishockey-Trainer, für den Mannheimer ERC nach neuen Spielern suchte: in Kanada, wohin nach dem Zweiten Weltkrieg viele Deutsche ausgewandert waren. Weisenbach gab Zeitungsannoncen auf: Deutschstämmige Eishockeyspieler gesucht. Es meldete sich neben anderen der 19-jährige Harold Kreis, der in einer Juniorenliga für die Calgary Wranglers verteidigte (sein Mitspieler dort: der Ende der 80er-Jahre bei Hedos München in der 2. Liga auftrumpfende Scott MacLeod).
Natürlich begleiteten ihn Zweifel. Die Tante befürchtete eine schlechte Versorgungslage mit den Dingen des täglichen Lebens in Deutschland und gab ihm 24 Rollen Toilettenpapier mit. Harold Kreis gab sich den letzten Entscheidungsruck mit einem sportlichen Argument: „In Kanada waren unser schlimmster Gegner die New Westminster Bruins, wir verloren regelmäßig, und es gab Schlägereien. Ich dachte mir: Wenn ich nach Deutschland gehe, muss ich nicht mehr gegen die spielen.“ Doch kaum im neuen Land angekommen, wurde Kreis für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft nominiert. Bei der Nachwuchs-WM traf er auf Kanada, das antrat mit: dem kompletten Team der Westminster Bruins. Kreis lacht, als er das erzählt.
Er wurde zu einem der besten deutschen Spieler, bestritt neun WMs, zwei Olympia-Turniere. Markant war vor allem seine menschliche Art. Ex-Schiedsrichter Pompeo Ondertoller nannte den Spieler Kreis „einen echten Herrn. Als Kapitän in Mannheim hat er sich darum gekümmert, dass uns Verpflegung in die Kabine gebracht wurde – und wenn ein Spiel ausuferte, kam er mit dem anderen Kapitän und entschuldigte sich.“ gük